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Von Dr. Ronny Tekal-Teutscher Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.peter-teutscher.at
 
Leben 9. Februar 2015

NebenWirkungen: „Einmal D mit A, C und G paniert, bitte!“

Mit der neuen Kennzeichnungspflicht für Allergene bekommt unser Mittagsmenü völlig neue Dimensionen.

Seit Kurzem müssen Gastronomen über die Inhaltsstoffe ihrer Speisen Aufschluss geben. Das bedeutet nicht, dass ein Wirt seine Geheimnisse preisgeben muss. Nein, er darf nach wie vor die Konserven in das „hausgemachte Gulasch“ leeren oder den frischen „Mohr im Hemd nach Omis Rezept“ aus der Fertigpackung nehmen und ihn, aus Mangel an politisch korrekten Alternativen, als „Aufgebackene Tiefkühlmassenware aus einem dunklen Teig, nach der Idee einer Frau mit großmütterlichem Hintergrund“ betiteln.

Tatsächlich sorgt die neue Allergeninformationsverordnung für unverpackte Lebensmittel für Aufregung nicht nur in der Gastro-Szene. Denn sie betrifft ja nicht nur Haubenlokale, Mützenbuden oder Kappenbistros. Es geht auch um die viel gerühmte „gesunde Jause“, bei der die Eltern Brot oder – Gott behüte uns davor – selbst (!) gemachte Lebensmittel in die Schule bringen. Hie müssen die Inhaltsstoffe auf einen hübschen A4-Zettel zu Papier gebracht und in einem kleinen Referat vor der Klasse zum Besten gegeben werden.

Wer künftig etwas genauer in seine Buchstabensuppe blickt, wird entdecken, dass nur mehr jene Buchstaben zu finden sein werden, die auf Allergene im Suppenpäckchen hinweisen. Dies trägt nicht nur dem Informationsbedürfnis einer kontrollsüchtigen Gesellschaft Rechnung, sondern erfreut auch die Hersteller von Speisekarten und eine Heerschar von Lehrkräften, die schulungsunwilligen Gastwirten erklären müssen, warum R keine Cs besitzen (Anm.: R = Weichtiere; C = Eier).

Nur wenn aus dem Speisenamen ersichtlich ist, was drin ist, muss der Inhalt nicht unbedingt genannt werden. Auch wenn man davon ausgehen kann, dass in Milchreis Milch und Reis oder im Heringschmaus Hering und Schmaus enthalten ist, muss etwa in Leberkäse weder Leber noch Käse drin sein und auch im Erdbeerjoghurt sind in den seltensten Fällen tatsächlich Spuren von Erdbeeren enthalten. Das ist verwirrend. Enthält aber eine Speise wie ein Wurstbrot glutenhaltiges Getreide, Sellerie und Senf, so müssen die Buchstaben A, L und M angegeben sein. Manche Wirte geben noch ein Scheibchen Brot dazu und dokumentieren: LMAA!

Da sich die Köche an protokollierte Rezepte halten müssen, ist dies mitunter das Ende der spontanen Kreativität. Denn bevor die feine Zimtnote einen Gast ins Nirwana befördert, lässt man es lieber bleiben. Hoffen wir also, dass all diese Verordnungen zumindest einmal einen gröberen Zwischenfall zwischen einem Allergiker und einem Schalentier verhindern helfen. Damit es irgendeinen Sinn hat, dass nun nur mehr nach Buchstaben gekocht werden darf.

Um Kreuzkontaminationen zu verhindern, dürfen natürlich auch keine Teigreste am Schneebesen im Pudding landen. Sonst ist die ganze Verordnung für die Katz. Daher wird empfohlen, den Besen zuvor von einem sterilen Koch abschlecken zu lassen. Man will ja sichergehen.

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