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Von Dr. Ronny Tekal-Teutscher Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.peter-teutscher.at
 
Leben 26. Jänner 2015

NebenWirkungen: Fehlerlos durch die Nacht

Um aus Fehlern zu lernen, muss man sich diese auch eingestehen.

Zurzeit bin ich in einem Projekt involviert, das sich der Patientensicherheit widmet. Was nicht bedeutet, dass sich die Kranken nun angurten müssen, wenn sie von einem übereifrigen Zivildiener herumgeschoben werden. Auch besteht meines Wissens keine Helmpflicht für den Gang vom Krankenzimmer in die Cafeteria. Nein, die Sicherheit liegt vielmehr in der Hand jener, die aktiv herumschieben oder den Kaffee in der Cafeteria brühen. Also bitte nicht zu schnell und nicht zu heiß (in Bezug auf Sicherheit), aber auch nicht zu langsam und nicht zu kalt (in Bezug auf Lebensfreude). Und natürlich liegt die Verantwortung beim medizinischen Fachpersonal. Anders gesagt: Es geht darum, Fehler zu vermeiden, die tödlich enden können oder noch schlimmer.

Das sagt sich natürlich leicht. Denn Fehler begeht man ja nicht absichtlich. In US-amerikanischen Spitälern wird, so eine Studie, ein stationärer Patient im Schnitt zumindest einmal täglich Opfer einer irrtümlichen Medikamentengabe. Vielleicht erklärt das, warum die Amerikaner so sind, wie sie nun mal sind. Dabei gäbe es so gute und erprobte Tools, die nichts oder kaum was kosten. Das wichtigste Tool heißt „Reden“. Obwohl in vielen Häusern unüblich, sollte man davon ab und an Gebrauch machen, um sicherzugehen, dass die Spritze für Herrn Maier auch tatsächlich für Herrn Maier gedacht ist und nicht etwa für Herrn Maier. Klar?

Das Rede-Tool sollte auch dann zum Einsatz kommen, wenn schon einmal ein Fehler passiert ist. Hält man ein bereits amputiertes, aber irgendwie seltsam gesund ausschauendes Bein eines Patienten in Händen, sollte man darüber sprechen, wie man das nächste Mal das richtige Bein erwischt. Denn wir alle wissen, dass mit Links nicht immer Links gemeint ist, denn es gibt ja auch das andere Links.

Da man sich zu Recht im Krankenhaus vor dem Pranger fürchtet, an dem man beim Versagen gestellt wird, werden die meisten einen Teufel tun, Fehler weiter zu kommunizieren, die man bereits erfolgreich unter den Kittel kehren konnte. Ich habe in Morgenbesprechungen schon viele Heldengeschichten gehört, eine Fehlerbeichte ist mir nicht in Erinnerung. Hier muss der Chef den Weg ebnen und Raum schaffen, in dem Fehler offen und ehrlich besprochen werden können. Also ein wohltemperiertes Klima in seinem Büro, einen gemütlichen Sessel, Kaffee, ein paar Kekse und die liebevolle Frage an den festgebundenen Delinquenten: „Na, was haben wir denn alles verbockt in der vergangenen Woche …?“ wäre mal ein erster Schritt, wenngleich nicht unbedingt in die richtige Richtung.

Dabei lässt sich aus jedem Fehler viel lernen. So wird man es wohl künftig vermeiden, mit einem Mixer aus seiner Badewanne einen Whirlpool zu machen. Auch ein Ex-Innenminister würde nie wieder so freizügig ein Lehrvideo zur Korruptionsanbahnung auf Youtube posten. Wenn man also im Nachtdienst fleißig seine Fehler sammelt, tut man gut daran, die Ausbeute mit den Kollegen zu teilen. Und wer nicht aus fremden Fehlern klug wird, teilt sie auf Youtube.

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