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Von Dr. Ronny Tekal-Teutscher Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.peter-teutscher.at
 
Kolumne Nebenwirkungen 12. September 2014

NebenWirkungen: Use it or lose it

Die Empfehlung, von vorhandenen Körperteilen Gebrauch zu machen, lässt sich auch auf die Spitalsfinanzierung anwenden.

Garagengepflegt ist ein Begriff, den man vielleicht gerne im Zusammenhang mit dem Erwerb eines Gebrauchtwagens hört, für den menschlichen Körper ist diese Form der Pflege jedoch höchst kontraproduktiv. Das Gleichnis Fahrzeug-Mensch funktioniert eben nicht, auch wenn die Vorsorgemediziner gerne damit werben, dass man mit seinem geliebten Auto schließlich auch zum Service geht. Denn zum einen sind nur wenige Kilometer auf dem Tacho bekanntermaßen eher schlecht für die Gesundheit, zum anderen dürfte den meisten auch das tägliche Auftragen einer Autopolitur auf die Haut nicht allzu gut bekommen.

Der Mensch muss also raus aus der Garage, vulgo Fernsehsessel. Man muss die verschiedenen Körperteile benutzen, um deren Funktion aufrechtzuerhalten. Der Slogan „Use it or lose it“ wird auch von den verschiedenen Fachärzten herangezogen, um bei den Körperbesitzern ein entsprechendes Bewusstsein zu wecken: Muskeln müssen bewegt, Gehirne beschäftigt, ja auch die Penisse des Landes sollten in stetem Gebrauch sein, um die Sexualfunktion aufrecht zu erhalten.

Auch in den Spitälern ist diese Weisheit gelebte Praxis. Denn ist über einen längeren Zeitraum ein Krankenbett nicht belegt, also nicht ge-used, so wird die Notwendigkeit dieses Bettes bei der nächsten Umstrukturierung infrage gestellt und gestrichen (ge-lose-d). Daher gilt es, die Patienten so gut zu behandeln, dass sie nach einiger Zeit zwar wieder genesen, jedoch nicht so gut, dass man den Eindruck hätte, sie könnten ohne stationären Aufenthalt in einem Krankenbett zurechtkommen.

Jeder zugestandene Jahresetat muss ausgeschöpft werden, sonst gibt es im Jahr darauf entsprechend weniger. Dies führt aber mitunter zum Zwang, all die Dinge, die es so gibt, in einem Krankenhaus auch immer wieder einzusetzen: Da wird in dieses teure, aber nicht allzu sinnvolle Gerät, mit dem sich der Abteilungsleiter ein Denkmal setzen wollte, immer wieder ein Patient hineingeschoben, um die Sinnhaftigkeit sowohl des Denkmals als auch des Abteilungsvorstandes zu untermauern. Medikamente werden knapp vor Ablaufdatum rasch noch mal an eine betagte Schar hungriger Patienten verfüttert und Turnusärzte, die offensichtlich allzu gelangweilt in der Gegend herumsitzen und Daten in den Computer hämmern, lassen sich hervorragend auch ein paar Stunden mit erhobenem Arm als Infusionsständer ans Patientenbett stellen. Alles wird verwertet und gebraucht. Sonst ist es vielleicht bald schon futsch.

Die Motive hinter solchen Maßnahmen sind jedoch wohl eher niederer Natur. Warum kann man nicht mal sagen: Danke, wir kommen nächstes Jahr auch mit etwas weniger Geld, Betten oder denkmalgeschützten Großgeräten aus. Dann könnten alle gemeinsam um das Gesparte auf ein Eis gehen. Auch das sollte man, im Sinne von „use it or lose it“ rasch verzehren, denn sonst schmilzt es.

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