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Kolumne Nebenwirkungen 18. März 2013

Wetten, dass…?

Mit Wetten kann man die Laune am Arbeitsplatz deutlich anheben. Natürlich auch innerhalb der Mauern eines Krankenhauses.

Boxen, Fußball und Pferderennen waren gestern. Heute wettet man auf hintergründigere Dinge. Etwa darauf, ob der Boxer gedopt, der Fußballer bestochen oder das Pferd im Rindsgulasch drin war. Und dazu muss man nicht mal in die stickige Luft. Seit man sich weder in dubiose Wettbüros hinterm Bahnhof, noch auf die Rennbahn begeben muss, um zu setzen, sondern bequem von zu Hause aus sein Vermögen verlieren kann, erlebt die Tradition von Wetten einen neuen Aufschwung.

Auch der Inhalt der Wetten beschränkt sich längst nicht mehr auf den Sportbereich: „Wer wird Papst?“, „Wird die Welt untergehen?“ und „Welcher Prominente segnet als nächster das Zeitliche?“. Alles Wetten, die bei den internationalen Wettbüros tatsächlich höchst erfolgreich angeboten werden. Die unwahrscheinlichsten Ereignisse sind natürlich mit entsprechend hohen Quoten versehen, etwa „Wird Paris Hilton Gehirn-Chirurgin?“, oder noch besser „Wird unter dem Pontifikat von Franciscus der erste schwule Priester kirchlich heiraten?“.

Das größte Wettbüro heißt aber nach wie vor Börse und nicht nur österreichische Landeshauptstädte in Salzburg Land zocken munter in großem Stil mit Steuergeldern an den Aktienmärkten, auch Privatpersonen verspielen, unter freundlicher Unterstützung ihrer Bank, Hab und Gut.

Zu wetten liegt uns Menschen also scheinbar im Blut. Ein Wettbüro im Krankenhaus könnte daher die Stimmung heben und Geld in die maroden Krankenkassen spülen. Viele Bereiche lohnen quotenmäßig erfasst zu werden: „Darf Assistenzarzt Gruber heute in der Morgenbesprechung auch was sagen?“, „Werden die Nähte von Frau Mayer rascher als die ihrer Zimmernachbarin platzen?“, oder „Hält heute irgendeine Naht von Assistenzarzt Gruber“?

Patienten können mit dem Spitalsträger auf die durchschnittlichen Wartezeiten in der Ambulanz, die Anzahl der nicht relevanten Personen bei der Chefvisite oder auf das histologische Ergebnis ihrer Biopsie wetten. Das Personal wettet auf die eigenen Überstunden in der kommenden Woche, auf die Stunden, in denen der Primar körperlich und auch geistig anwesend ist, sowie auf die Zahl der ausgeschlagenen Vorderzähne beim Erstellen des Dienstplanes für die Sommermonate. Probieren Sie es aus! So mancher Nachtdienst kann einen zusätzlichen Reiz haben, wenn man auf die Anzahl der nächtlichen Weckrufe wettet oder darauf setzt, dass kein einziger Patient die bei der Entlassung verordneten Medikamente wirklich einnimmt.

Übrigens noch die Ergebnisse des letzten Facharzt-Totos:

  • Spiel 1, Chirurg gegen Psychosomatiker: Tipp 1
  • Spiel 2, Internist gegen Pathologe: Tipp 2
  • Spiel 3, Stationsarzt gegen Portier: Tipp X.

Das Leben ist ein Spiel!

Dr. Ronny Tekal-Teutscher, Ärzte Woche 12/2013

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