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Dr. Ronny Teutscher, Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.peter-teutscher.at
 
Kolumne Nebenwirkungen 26. Mai 2009

NebenWirkungen – Humor auf Krankenschein

Eine zusätzliche halbe Stunde Heiterkeit täglich soll sich, einer US-Studie zufolge, günstig auf den Krankheitsverlauf eines Diabetes mellitus auswirken. Doch der allzu sorglose Umgang mit Witzen kann gefährlich werden.

Wenn man wöchentlich an einer Kolumne feilt, die sich dem medizinischen Alltag in umfassender Art und Weise widmet, ja, ich möchte sogar sagen: als regelmäßiger Pschyrembel des Feuilletons präsentiert, so hofft man, dass der Fundus an zu schöpfenden Themen immer reichlich gefüllt sein möge. Im Großen und Ganzen wird dieser Topf von den lieben Kollegen in randvollem Zustand gehalten, und es besteht nicht die geringste Gefahr, dass der Stoff für eine kabarettistische Aufarbeitung einmal ausgeht.

Trotzdem freue ich mich immer wieder über Impulse und Themen. So versorgt mich etwa mein lieber stellvertretender Chefredakteur, ein Kenner der medizinischen Szene, regelmäßig mit Informationen zu aktuellen Strömungen. Von den neuesten Guidelines medizinischer Fachgesellschaften über die gesundheitsfördernde Wirkung des Shisha-Pfeifens bis hin zu der Wirksamkeit des Kots ostindischer Laufenten bei Rheuma.

Nun ließ er mir eine Studie zukommen, präsentiert auf der Tagung der American Physiological Society in New Orleans: Eine zusätzliche halbe Stunde Heiterkeit täglich soll zu messbaren Veränderungen im Hormonhaushalt führen, die sich vorteilhaft auf den Krankheitsverlauf des Diabetes mellitus auswirken. Ich hab es ja immer schon gewusst. Und fordere die zuständigen Stellen auf, kabarettistische Veranstaltungen und Satirekolumnen als Kassenleistung in die medizinische Grundversorgung aufzunehmen.

Dass Lachen gesund ist, haben aber auch schon die meisten Krankenkassen und Gesundheitsbehörden begriffen und senden uns immer wieder lustige Empfehlungen und Gesetzesentwürfe. Manchmal bleibt einem das Lachen dann zwar im Hals stecken, doch dafür gibt es ja die Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, die den Fremdkörper wieder aus dem Rachen entfernen können.

So wird es wohl bald auch rezeptpflichtige Witze geben, die mit der Indikation „Diabetes“ verordnet werden können. Gewarnt sei hier jedoch vor billigeren Generika-Witzen, denn ein und derselbe Witz, schlecht erzählt, kann ins Auge gehen. Auch bleibt zu befürchten, dass OTC-Scherzpräparate der neue Trend sein werden, die Menschen einfach nach dem erstbesten Lacher greifen, ohne ärztliche Kontrolle und damit auch die Gefahr des Schenkelklopfers dramatisch ansteigt. Schließlich wird über das Internet mit unkontrollierten Witzen aus dem Osten gehandelt, deren Verschmutzungsgrad nicht abzuschätzen ist. Und auch wenn die FDA-Witze als unbedenklich eingestuft werden, so brauchen wir dennoch international gültige Leitlinien zur korrekten Anwendung, an die man sich als Arzt gefälligst zu halten hat. Und das ist wiederum witzig.

Von Dr. Ronny Teutscher, Ärzte Woche 21 /2009

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