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Foto: Privat
Dr. Ronny Teutscher, Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.peter-teutscher.at
 
Kolumne Nebenwirkungen 26. Mai 2009

NebenWirkungen – Wirtschaftliche Gesundheitskrise

 

Auch das Gesundheitswesen ist von der Wirtschaftskrise betroffen. Deshalb fordere ich die zuständigen Stellen auf, Umwelt- und Verschrottungsprämien für chronische Krankheiten einzuführen.

Ja, ja, die Wirtschaftskrise, sie hat uns alle fest im Griff. Natürlich sind auch wir Ärzte massiv davon betroffen. Nicht nur hinsichtlich der vielen Aktienpakete, die nun gemeinsam in den Keller lachen gehen. Auch die Patienten werden, wie man so schön sagt, etwas knauseriger.

Zwar soll die Gesundheitsbranche nach wie vor krisenfest sein, da die Menschen einfach per se kranke Wesen darstellen, immer krank bleiben werden und im Angesicht der Finanzkrise wohl auch noch ein wenig kränker, doch nun wird von unseren Schäfchen der Rotstift auch hier angesetzt.

Konnten wir ihnen noch vor gar nicht allzu langer Zeit schöne Zusatzprodukte wie Nahrungsergänzungsmittel, Magnetfeldmatten, eine Kernspintomografie des rechten Ohrläppchens oder eine Koloskopie-Jahreskarte anpreisen, so wollen die Menschen unsere Arbeit nun auf die reinen Kassenleistungen reduziert wissen.

Das ist sehr kurzsichtig gedacht von unseren Patienten. Denn weniger Privatleistung bedeutet, dass wir weniger Geld in der Portokasse haben, somit eine geringere Kaufkraft besitzen. Nun besorgen wir uns eben keine weißen Prada-Pantoffel mehr, sondern die billigen Diskont-Schuhe, verbringen unsere Freizeit zukünftig nicht in den Golfclubs des Landes, sondern den Minigolf-Clubs der öffentlichen Bäder, führen keine geländegängigen SUVs auf der Visite mit, sondern lassen uns von den öffentlichen Verkehrsbetrieben zu den Patienten nach Hause kutschieren.

Hier ist dringender Handlungsbedarf gegeben, denn unzufriedene Ärzte bilden die größte Gefahr hinsichtlich der Währungsstabilität eines Landes. Zudem sind die Mediziner jene Spezies, die über Anlageberater und spektakuläre Fonds die kommende Wirtschaftskrise mitfinanzieren.

Nach Vorbild der Autoindustrie würde ich mir daher von den zuständigen Regierungsstellen wünschen, dass sie eine Art Verschrottungsprämie einzuführt. In treffender Analogie würde dies bedeuten, ein Mensch mit chronischer Erkrankung kann diese zum Arzt bringen, so diese Erkrankung schon 10 Jahre alt ist.

Diese Krankheit lässt sich dann beim Mediziner des Vertrauens gegen eine neue Krankheit eintauschen. Da wir über einen jährlich wachsenden umfassenden Diagnosekatalog verfügen, sollte dies keine Schwierigkeit sein.

Von Dr. Ronny Teutscher, Ärzte Woche 20 /2009

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