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Foto: Privat
Von Dr. Ronny Teutscher Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.peter-teutscher.at
 

NebenWirkungen

Schwein gehabt!

Die „Neue Grippe“ aus Mexiko lässt Hoffnung aufkeimen, die Restbestände der Vogelgrippen-Prävention unters Volk zu bringen. Die Behörden kümmern sich rührend um die Eindämmung der Pandemie.

Die Schweinegrippe fegt über uns hinweg. Und so eine Pandemie gibt uns doch irgendwie das Gefühl einer geborgenen Globalisierung. Schließlich fühlen wir uns derart nicht nur über das Internet vernetzt, sondern auch über den reellen Raum. Und Viren gibt es bekanntlich in beiden Welten.

Nun spricht man statt von der Schweinegrippe von der „neuen Grippe“, vermutlich da viele Kolle-gen etwas besorgt darüber waren, dass ihre Patienten nun von den Veterinärmedizinern behandelt werden würden. Viele urban geprägte Menschen wussten bis vor einer Woche nicht einmal, dass es so etwas wie eine Schweinegrippe gibt. Viele wussten nicht einmal, was ein Schwein ist. Erst die Erklärung, ihr Schnitzel habe einen Schnupfen, brachte Klarheit.

Nun gibt es für globale Katastrophen natürlich Pläne für den Notfall. Auch ich habe von der zuständigen Gesundheitsbehörde ein Schreiben erhalten, beim Feststellen von etwas Schweinischem in einem Patienten, dies bitte unverzüglich zu melden und den Notstand in meiner Praxis auszurufen.

Und da noch einige Vorräte an Mundschutzmasken und einschlägigen antiviralen Wundermitteln für die Bevölkerung in riesigen Hallen gelagert sind, trifft es sich gar nicht so schlecht, das Ganze auch mal aufzubrauchen. Wie schon unsere Großmütter über übrig gelassenes Essen zu sagen pflegten: „Bevor das schlecht wird, soll lieber mir schlecht werden.“

Der Mundschutz verbreitet natürlich ein wenig Katastrophen-Flair. Allerdings sollen die Masken eher von bereits erkrankten Personen getragen werden, um die Allgemeinwelt zu schützen. Das Verhüllen des Gesichtes gesunder Menschen zum eigenen Schutz dürfte eher modischen Charakter haben.

Die einfach durchzuführenden allgemeinen Präventionsmaßnahmen werden mittlerweile in jedem Kindergarten gelehrt: Kein Händekontakt, nicht grüßen, nicht küssen, Geschlechtsverkehr nur mit Menschen, deren Namen man zumindest schon einmal gehört hat.

Im Falle des aus Mexiko kommenden H1N1-Grippevirus gelten noch spezifische Regeln: Das Mei-den mexikanischer Menschen und Fernreise-Heimkehrer, kein Besuch mexikanischer Restaurants sowie Verzicht auf Tacos und Tequila.

Der Masterplan des Gesundheitsministeriums sieht zudem auch vor, alle in Europa lebenden Schweine notzuschlachten, sicherheitshalber auch noch die Rinder und die Schafe. Da Schweine bekanntlich Trüffel lieben, werden auch die Trüffeln notgeschlachtet, die Erde ausgeräuchert und sämtliche europäische Wälder gerodet. Für unsere Sicherheit ist keine Mühe zu groß.

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