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Foto: Privat
Von Dr. Ronny Teutscher, Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.peter-teutscher.at
 
Kolumne Nebenwirkungen 29. April 2009

NebenWirkungen – Servus, Deutschland!

Wir werden durchgeschaltet! Servus, Deutschland!

Genauer betrachtet unterscheiden sich deutsche und österreichische Ärzte nur geringfügig voneinander. Weiß bekleidet, vorne Stethoskop, hinten krummer Kassen-Buckel. Eine grenzüberschreitende Leidensgemeinschaft.

Ich möchte an dieser Stelle auch die zugeschalteten deutschen Kollegen in dieser Kolumne begrüßen. Seit geraumer Zeit erfreue ich die Österreichischen Mediziner mit wohlfeil erdachten Bonmots über Ärzte und andere Krankheiten. Nun gilt es zu überdenken, ob denn die Situation der Krankenanstalten, des Gesundheitswesens, der Kommunikation zwischen Arzt und Patient oder auch die Qualität des Spitalsfutters von Österreich auf Deutschland umzulegen ist.

Zuvor jedoch, aus einem Anflug an Höflichkeit heraus, eine kurze Vorstellung. Die Österreichischen Leser dürfen den kommenden Absatz überspringen. Ich selbst bin seit über zehn Jahren Arzt für Allgemeinmedizin, seit über zehn Jahren Kabarettist und seit über zehn Jahren versuche ich herauszufinden, ob es zwischen diesen beiden Disziplinen vielleicht einen Unterschied gibt; und wenn ja, ob dieser Unterschied medikamentös auch zu behandeln ist. Mein Heimatland ist Österreich, jenes Land im Süden, mit den hohen Bergen, den noch höheren Verlusten im Fußball und den nicht mehr ganz so anonymen Konten.

Zwei Nationen, getrennt durch dieselbe Sprache, vereint jedoch durch denselben Leidensweg von Ärzten und deren Patienten. Sie haben eine gemeinsame Ebene der Kommunikation gefunden: Ärzte sprechen Latein, Patienten verstehen Latein. Weltweit. So ist in Österreich der „Primar“ der hoch angesehene und sonnengottähnliche Abteilungsvorstand, in Deutschland bezeichnet man damit einen Frischling. Das Alphatierchen unter den Klinikern wird wiederum „Chefarzt“ genannt. In der Alpenrepublik versteht man darun-ter allerdings einen leitenden Bürohengst, der mittels Ferndiagnose Patienten auf ihre Pflegebedürftigkeit prüft. Und der „AiP“ ist über der Grenze höchstens mit „allgemein-internistischer Problempatient“ zu übersetzten.

Anatomisch unterscheiden wir uns nur geringfügig voneinander. Eine deutsche Leber ist einer österreichischen nicht unähnlich. Die eine mag mit Bier, die andere mit Wein getränkt sein, doch eine Leber bleibt sie allemal. Und die inneren Werte wie Cholesterin oder Harnsäure erreichen im gesamten deutschsprachigen Raum stattliche Höhen. Ein ärztliches Burn-out gibt es hüben wie drüben, Anerkennung werden wir vergeblich suchen, es sei denn, eine TV-Station nimmt sich unserer an und sendet „Deutschland sucht den Super-Doc“ (DSDSD).

Die Unterschiede zwischen den Nachbarländern sind also überwindbar. Alle Menschen sind gleich. Ärzte vielleicht etwas gleicher.

Dr. Ronny Teutscher, Ärzte Woche 18/2009

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