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Kolumne Nebenwirkungen 6. März 2012

Woki mit deim Popo

Der österreichische Beitrag zum Song Contest 2012 ist auch eine medizinische Botschaft an die Welt.

Die Aufregung ist groß. Welche Botschaft soll an Europa gehen, wenn das Musikland Österreich sich auf diese Weise repräsentiert? Wo wir doch ein Land des Haydn und des Mozart und des Hinterseer sind. Ein Land, das sich der Ernsthaftigkeit seiner Musik und der langen künstlerischen Tradition durchaus bewusst ist.

Zwei Oberösterreichische Hip-Hop-Jungs pfeifen drauf und ma-chen Partymusik für Europa. Nicht nur das: Sie brüskieren durch potenziell sexistische Textpassagen auch die intellektuelle Elite des Landes. Dabei hat die Elite vielleicht nicht genau hingehört. Denn in den Versen steckt eine Menge lehrreiches Material für die Patienten der gesamten EU.

Es geht schließlich um die Aufforderung (in erster Linie an die Damenwelt), den Musculus glutaeus maximus zu trainieren bzw. mit dem Popo zu wackeln. Und mit der Art und Weise der Darbietung, mit Rhythmus, Party-Mucke und effektvoll im UV-Licht leuchtenden Hinterteilen lässt sich so eine Botschaft weitaus besser an die zur Adipositas neigenden Jugend bringen, als durch langweilige Broschüren des Gesundheitsministeriums und langatmige Vorträge der Schulärzte.

Besonders die rührende Textzeile „dein Popo hat Gefühle, dein Popo ist ein Teil von dir“ sollte jedem halbwegs um die Vorsorge bemühten Arzt die Tränen der Rührung in die Augen treiben. Proktologen können sich bei so einem wichtigen Beitrag zur Vorsorge wohl alle zehn Finger abschlecken (bitte nicht unmittelbar nach einer Untersuchung).

Vielleicht wäre dies aber auch ein Auftrag an die heimischen Kreativen, weiter in diese Stoßrichtung zu denken: Liedtexte, die einen medizinischen Inhalt vermitteln, ohne die Zielgruppe zu vergraulen, mitunter auch ein wenig provokant, könnten die neue Form der Aufklärung darstellen. Schließlich kann man mit einer Reihe anderer Körperteile auch herumwackeln, es kann auf zu große Bäuche, zu arthrotische Kniegelenke oder zu ungepflegte Gebisse hingewiesen werden. Ein wenig Rülpsen und Furzen in einem Rhythmus von 132 Beats per Minute wäre nicht nur der neueste Dance-Floor-Hit, sondern würde auch die tabuisierte Problematik von Blähungen, Flatulenz und saurem Aufstoßen entsprechend thematisieren.

Sollte der diesjährige Beitrag positiv beim europäischen Publi-kum aufgenommen werden, so ist eine Fortsetzung nicht auszuschließen. Und zartbesaitete Kritiker sollten sich dabei jetzt schon warm anziehen – denn das nächste Mal geht es dann wohl ganz sicher um die Vorderseite.

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