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Kolumne Nebenwirkungen 13. Februar 2012

Hochsaison in den Alpen

Zahlungskräftige Patienten müssen kein Privileg der Wintersportorte sein. Man kann auch die Großstadt ganz schön gefährlich machen.

Wer eine gut eingeführte Platzhirsch-Ordination in einem der lukrativen Skigebiete sein eigen nennt, darf sich glücklich schätzen und über die Sommermonate (von April bis Dezember) Urlaub nehmen. Denn die Gäste, die zu uns pilgern, werden (allen Unkenrufen aus Kitzbühel zum Trotz, selbst wenn sie aus dem Osten stammen) zunehmend reicher, die Ski zunehmend schneller und der Alkohol zunehmend beliebter, so dies überhaupt noch möglich ist.

Eine wunderbare Kombination, die die Touristen und damit auch eine Menge an privaten Honoraren in die Hände der heimischen Ärzte treibt. Das bekannte Heli-Skiing (mit dem Lift hinauf, mit dem Helikopter ins Krankenhaus) lässt die Kassen der privaten Helfer klingeln und die Unfallchirurgen üben sich in Bruchrechnen. Wie viel Euro pro Bruch dabei übrig bleiben, ist ein gut gehütetes Geheimnis, kann jedoch nach der patientenbezogenen Näherungsformel „wenig Grips-großer Gips“ berechnet werden. Somit braucht man sich um die Branche der medizinischen Gästebetreuer in den Wintersportgebieten wenig Sorgen machen.

Neidvoll blicken daher all die Kollegen, die im nebeligen Flach-land ihre Frondienste an Kassen und Dauerpatienten leisten müssen, auf diese Gruppe medizinischer Glückspilze und feixen, wenn eine winterliche Warmfront den Schnee auf den Pisten und damit die betuchten Patienten wegschwemmt.

Dabei muss man sich nicht seinem neidvollen Ikterus hingeben. Vielmehr wäre zu überlegen, welche Maßnahmen nötig wären, damit auch in den Ballungszentren der Großstädte mehr Privatpatienten in die Ordinationen kommen. Dazu müsste man einfach die Gefahr bei einschlägigen Touristenzielen und Sehenswürdigkeiten etwas anheben. Allzu hohe Sicherheitsgitter auf den Aussichtsterrassen erweisen sich oft als Spaßbremsen für die Ärzteschaft und lassen sich getrost weglassen. Vielleicht lässt man uns auch die Lipizzaner ein wenig piesacken, um sie in der Hofreitschule zu Attacken auf die Zuseher zu animieren. Beim Opernball könnten schwere Stiefel mit Metallkappen und High Heels mit platinverstärkten Absätzen als verpflichtender Dress Code zu unschönen Verletzungen am Tanzparkett sorgen. Der Run auf Festspielkarten ist zwar heutzutage schon nicht ungefährlich, es könnte aber zu einer gewissen Verschärfung der Situation beitragen, indem man die Kartenanwärter in einer ehrlichen Schlägerei um die besten Plätze kämpfen lässt. So blasen die blassen Stadtärzte zum Halali auf zahlungskräftige Touristen. In diesem Sinne ein zünftiges Waidmanns Heil zum urbanen Hals- und Beinbruch.

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