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Kolumne Nebenwirkungen 8. Februar 2012

Den Arzt zum Gärtner machen

Die Einsparungen, die unserem Gesundheitssystem drohen, könnten durchaus positive Nebeneffekte haben. Denn fähige Ärzte kann die Gesellschaft immer brauchen.

Wenn man einmal über die Kosten im Gesundheitswesen nachdenkt und nach potenziellen Einsparungsmaßnahmen sucht, so wird man an einer Reduktion des Fachpersonals kaum vorbeikommen. Schließlich kostet ein Chirurg in der Anschaffung und auch im Erhalt weitaus mehr als ein Servicebediensteter in der Kantine.

Und so kann auch ein geschickter Kantinenmitarbeiter bei Operationen etwas aushelfen, Verweilkatheter setzen oder kleine Schädeltrepanationen durchführen. Unter Aufsicht eines Arztes, der jedoch sein Kämmerchen nie verlassen muss.

Man muss einfach kreativ sein und darf auch vor waghalsigen Reform-Manövern keine Scheu zeigen. Das, was an der größten Klinik des Landes angedacht ist, nämlich die Zahl der Patienten pro Arzt anzuheben, scheint den meisten Ökonomen die vernünftigste Lösung zu sein.

Doch was tun mit den sicherlich hochqualifizierten, gebildeten und auch reinlichen Ärzten? Zu schade für die Arbeitslosigkeit und zu jung für die Pension sollte man doch geeignete Plätzchen für die Mediziner finden, wo sie ihre Fähigkeiten voll entfalten können.

Folgende Stellen suchen zurzeit aus dem System beförderte Kollegen der ärztlichen Zunft (Metzgereien und Nähereien sind bereits überlaufen):

Gastgewerbe: Besonders für Jungärzte sollte die Vergabe von Flaschen an die Kundschaft kein Problem darstellen. Zudem haben die meisten Kollegen ohnehin über Jahre in den Wirtshäusern gekellnert.

Bankwesen: Der lockere Umgang mit Barbeträgen wird vorausgesetzt. Kuvert-Medizin-geschulte Ärzte sind hier natürlich im Vorteil.

Stadt- und Friedhofsgärtnerei: Für das Graben von Löchern sind wohl am ehesten Chirurgen prädestiniert. Sollte ein Assistenzarzt mitschaufeln, so kann dieser nach dem Aushub mit den bekannten Worten „machen Sie zu“ zu den üblichen Hilfsdiensten angehalten werden.

Baumarkt: Hier wird besonders die Fähigkeit geschätzt, sich vor Kunden (bzw. Patienten) zu verstecken oder als nicht für diesen Fall zuständig zu deklarieren

Schulen: Psychiater kommen wohl am ehesten mit pubertierenden Teenagern und Lehrerkollegen am Rande des Burnout zurecht. Rasch Plätze sichern, aufgrund der langen Ferien recht begehrt.

Ausbildung: In jedem Fall können die aus dem System bugsierten Ärzte als Ausbildner tätig sein, um neue Ärzte zu rekrutieren, die auf demselben Weg wieder als Ausbildner tätig sind. Ein sich selbst erhaltendes Modell, aus dem wohl nie ein Arzt ein Krankenhaus betreten wird und damit keine unnötigen Kosten verursacht.

Von Dr. Ronny Tekal-Teutscher Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.peter-teutscher.at, Ärzte Woche 6 /2012

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