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Foto: Privat
Von Dr. Ronny Teutscher Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.peter-teutscher.at
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Von Dr. Ronny Teutscher Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.peter-teutscher.at

 
Kolumne Nebenwirkungen 17. April 2009

NebenWirkungen – Weg mit dem Speck

Wenn sich der Weihnachts-, Oster-, Ferien- und Fastenzeitspeck an den Hüften unserer Patienten festgesetzt hat, so sind wir gefragt, diesen Risikofaktor von ebendort wieder zu entfernen.

In unserer Rolle als Vorsorgemediziner und Life-Style-Berater liegt es an uns, unsere Schäfchen wieder auf Vordermann zu bringen. Heute können wir aus einem gar unerschöpflichen Arsenal ärztlicher Kunststücke wählen. Die Überweisung an ein renommiertes Fitness-Institut oder die Heranziehung eines international anerkannten Fettabsaugers sollten in Erwägung gezogen werden.

Unsere Domäne stellen sicher die flapsig verordneten Medikamente dar. Schließlich suchen uns die Menschen nicht in den heiligen Ordinationsräumlichkeiten auf, um jene Ratschläge zur Gewichtsreduzierung zu bekommen, die sie die vergangenen Wochen bereits von ihrem Lebenspartner, den Kindern oder dem Tankwart erhalten haben.

Vielmehr können die Patienten – und das zu Recht – erwarten, von uns nebst einer waschechten Standpauke eine handfeste Therapie zu erhalten, die sie fünfmal täglich, eben zu den Mahlzeiten, einzunehmen haben. Zum Glück ist die pharmazeutische Industrie mittlerweile auch hier um keine Ausrede verlegen und hat beeindruckende Substanzen entwickelt, die sich gewichtsreduzierend auswirken können. Geile Nebenwirkungen inklusive.

Wem das zu chemisch ist, der kann es mit faserreicher Kost versuchen, auf Fastensuppe zurückgreifen oder gänzlich aufs Essen und Trinken verzichten. Allerdings stellt sich bei den meisten Menschen schon nach wenigen Minuten der Nahrungskarenz die bekannte Fastenkrise ein, die nur mit einem Griff zur Schokolade zu bewältigen ist. Auch die Androhung einer abwechslungsreichen gesunden Mischkost treibt vielen Patienten die Schweißperlen auf die Stirn und führt zu Panikattacken, die ebenso nur mit einem Griff zur Schokolade zu bewältigen sind.

Am liebsten wäre den abnehmewilligen Menschen eine Art „Pille danach“, die dann vorangegangene Schlemmereien neutralisiert. Oder Nahrungsmittel, die mit den Begriffen „light“, „easy“ oder „nix drin“ bedruckt sind und versprechen, bei unverändertem Genussverhalten keine Kalorien zu enthalten und gleich in einem Aufwaschen noch dazu das Immunsystem stärken.

Bekanntlich sind viele der genannten Maßnahmen gelinde gesagt zum Scheitern verurteilt. Einzig der Ausstieg aus der Fernsehcouch kann Abhilfe schaffen. Hinaus aus den chipsgeschwängerten Räumlichkeiten in die freie Natur, frohlockend in der Wiese umhertollend, tanzend durch die Wälder laufend bei fettverbrennender Pulsfrequenz und Fahrstühle verweigernd über die Stiegen hopsend. Dann stellen sich auch die glücklichmachenden Endorphine ein, die zum Weitermachen anspornen. Wenn nicht, so können wir auf Endorphine in Tablettenform zurückgreifen, fünfmal täglich zu den Mahlzeiten.

Von Dr. Ronny Teutscher, Ärzte Woche 16/2009

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