zur Navigation zum Inhalt
Foto: Privat
Dr. Ronny Teutscher, Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.peter-teutscher.at
Foto: Privat

Von Dr. Ronny Teutscher Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.peter-teutscher.at

 
Kolumne Nebenwirkungen 8. April 2009

NebenWirkungen – Frühlings-Blues

Im Frühling blühen die Sträucher und die Haut der Allergiker. Dabei wäre diese Jahreszeit so schön, wenn man sie nur ein wenig patientenfreundlicher gestaltete.

Der Frühling mit seinen berauschenden Düften, der Vielfalt an Farben, der lauen Abende; der Frühling als Zeit des Erwachens und Frohlockens. Soweit die literarischen Halbwahrheiten. Die medizinische Realität sieht anders aus. Beinhart, ohne froh und ohne locken: Rinnende Nasen, rote Augen, Desensibilisierungs-Injektionen und die ersten Insektenstiche – all das hat der Frühling im Gepäck.

So sehr sich manche Menschen nichts sehnlicher herbeiwünschen als den Frühling, polarisiert diese Jahreszeit doch ungemein. Denn wo soll der Benefit berauschender Düfte liegen, wenn sich diese den Weg durch asthmatisch verengte Atemwege bahnen müssen? Was nützt die schönste Ostersonne, wenn einen die Frühjahrsmüdigkeit zurück ins Bett befördert und man sich nach der geliebten Herbstdepression sehnt, die das Liegenbleiben rechtfertigt?

Deshalb starten wir Ärzte alljährlich mit „Frühling: Ja, aber bitte richtig“ eine beispiellose Kampagne, wo der Frühling so richtig in seine Schranken gewiesen wird. Denn man kann den Frühling auch vermeiden.

Wer ihn nicht sonderlich gut verträgt, der möge zu Hause bleiben oder sich seine wohlverdiente Lungenerkrankung aus der Klimaanlage des Büros holen. Man kann für die kritische Zeit eine Fernreise in den hohen Norden oder den tiefen Süden unternehmen oder wie ein japanischer Tourist nur mit schwerer Atemschutzmaske außer Haus gehen.

Es gibt tatsächlich Bestrebungen, die eine diesbezüglich saubere Umwelt zum Ziel haben. Da werden dann der verpönte Ragweed ausgezupft, die Haselnüsse zerstampft, die Hunde geschoren und die Bienen ins Honiglager abgeschoben. Denn schon in der Bibel ist zu lesen: „Macht Euch die Erde allergenfrei.“ Wozu das Kortison erst mühsam per Inhalation in die Lungen pumpen, wenn es der Gärtner gleich direkt auf die Birken spritzen kann? Und eine Züchtung haarloser Hunde, stachelloser Bienen oder milbenfreier Milben sollte doch im Zeitalter der Gentechnologie kein allzu großes Problem darstellen.

Wozu die Menschen mit Pantoffeln ausstatten, wenn man die ganze Welt mit Teppich auslegen kann? Die moderne Medizin kann den immunologisch Armen, Schwachen, Witwen und Waisen auch unter die Arme greifen, indem sie die Allergene fernhält und damit das Problem gleich im Keim erstickt. So werden wir in Zukunft eben auf allergiefördernde Noxen wie Erlen und Birken, Nüsse und Erdbeeren, Hunde und Ehepartner verzichten müssen. Ihr Kammerjäger berät Sie gerne.

Von Dr. Ronny Teutscher , Ärzte Woche 15/2009

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben