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Von Dr. Ronny Teutscher, Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.peter-teutscher.at Foto: Privat

Von Dr. Ronny Teutscher Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.peter-teutscher.at
Foto: Privat

 
Kolumne Nebenwirkungen 3. April 2009

NebenWirkungen – When the Night Comes

Auch wenn viele Jungmediziner dieser Arbeitszeit nur selten etwas abgewinnen können: Dem besonderen Zauber eines Nachtdienstes kann man sich kaum entziehen.

Wie kommt es dazu, dass Ärzte und Patienten außerhalb der regulären Dienstzeiten in der Nacht oder am Wochenende zusammentreffen? Im Großen und Ganzen sind zwei Gründe zu nennen, warum sich diese an sich sehr unterschiedlichen Spezies begegnen: Einerseits die nächtliche Notsituation des Patienten und die nächtliche Bereitschaft des Arztes. Umgekehrt können vor dem Hintergrund einer schwierigen wirtschaftlichen Lage jedoch auch die finanzielle Notsituation des Arztes und die Bereitschaft des Patienten, sich behandeln zu lassen, zu einer Begegnung führen.

Nachtarbeit ist in der heutigen Zeit weniger Bereitschaft, denn Quelle des Zuverdienstes. Wurden in vergangenen Zeiten noch regelrechte Schlammschlachten unter den Protagonisten der Diensteinteilung ausgetragen, um dem schwächsten Herdentier ein paar zusätzliche Dienste aufs Auge zu drücken, so wird heute immer öfter um die begehrten Überstunden gekämpft.

Natürlich stellt die Schicht in der Nacht keine Erfindung unserer Zeit dar. Schon die alten Ägypter – ohne Nachtarbeit wären die Pyramiden wohl nur halb so hoch geworden – wussten: "Die Rede der Nacht ist mit Butter getränkt: Wenn der Tag darauf scheint, zerfließt sie“. Was ist also demzufolge von den Therapievorschlägen der Kollegen in der Nacht zu halten?

Einem Nachtdienst in einem Krankenhaus wohnt ein gewisser Zauber inne. Weiß bekittelt schwebt man wie der legendäre Klosterfrau-Melissengeist durch die halbdunklen Gänge auf der Suche nach therapiebedürftigen Patienten und etwas Essbarem. Dennoch ist an dem Vorurteil „In der Nacht sind alle Ärzte blau“ nur selten was dran. Und wenn, dann nur weil es einen echten Grund zum feiern gibt.

In der Nacht gilt auch das Gesetz des Wacheren. Und so erfordern einige nachtaktive Patienten älteren Semesters die volle Aufmerksamkeit des schlaftrunkenen Mediziners. Der Einsatz des Benzodiazepin-Raumsprays ist da oft die letzte Rettung.

Auch wenn die höhere Fehleranfälligkeit in den Nachtstunden nicht von der Hand zu weisen ist und vielleicht so manches gesunde Glied an eine Amputation glauben musste: Die Nacht bringt oft auch Licht in unklare Diagnosen oder das Liebesleben des Oberarztes. Und wenn die Lerche die Nachtigall ablöst, ist meist alles wieder vergessen, sowohl Diagnose als auch Liebensleben. In diesem Sinne wünsche ich allen Kollegen, deren Patienten und deren Glieder eine gute Nacht!

Von Dr. Ronny Teutscher , Ärzte Woche 14/2009

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