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Kolumne Nebenwirkungen 30. August 2011

Knapp vorbei ist auch daneben

Wenn man gute Vorsätze bricht, so ist es für den Vorsatz ziemlich egal, ob diese nur knapp verfehlt oder bereits gleich nach dem Andenken wieder fallengelassen wurde.

Dass der Wille fürs Werk zählt, scheint für die Gesundheit nicht so ganz zu gelten: Ein abgeschlossenes und bereits bezahltes Abo im Fitnesscenter hat relativ wenig Effekt auf die Gesundheit, wenn die einzige Bewegung darin bestand, die Rolltreppe zum Empfang benützt zu haben, um sich dort für ein Jahr einzuschreiben. In dieselbe Kerbe schlagen die sauteuren Laufschuhe, die nach Monaten unter der Bezeichnung „garagengepflegt“ und „kaum Kilometer oben“ wieder auf e-bay verhökert werden.

Auch die Vielzahl an Büchern „Fit in nur 5 Minuten“, „Fix und fertig in nur 6 Minuten“ oder „Waschbrettbach durch Avocado-Diät in 7 Minuten“, die ihr traurig sinnloses Da- sein am Nachtkästchen fristen, noch jungfräulich verpackt und in Warteposition auf den Kirchenflohmarkt, lassen den Körper der Besitzer nur selten sportlicher werden.

Selbst der beste Arzt hat kaum eine Wirkung, wenn dessen Weisheit vom Patienten nicht mit dem Löffelchen gefressen wird, sondern bereits beim Verlassen der Ordination längst wieder beim anderen Ohr rausgerieselt ist. Wie viele Tonnen an Medikamenten wandern demzufolge ungeöffnet in die Badezimmerschränke und von dort (beim nächsten Frühjahrsputz und nach überschrittenem Ablaufdatum) im besten Fall wieder in die Apotheke zurück?

All dies erzeugt ein dramatisch schlechtes Gewissen bei Menschen, die sich ihres schwachen Geistes schämen. Schließlich ist ein gebrochener Vorsatz schmerzlicher, als gar kein Vorsatz. Insofern sollte sich niemand zu viel Stress aussetzen. Ohne Vorsätze lebt sich’s auch recht gut und man kann sein Gewissen für sinnvollere Dinge belasten. Zum Beispiel damit, seinem Arzt ungeniert anzumogeln, welch tollen Vorsätze man bereits bravourös in die Tat umgesetzt hat.

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