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Kolumne Nebenwirkungen 24. August 2011

Tourismusmagnet Spital

Sight-Seeing im Krankenhaus als Möglichkeit, die leeren ­Kassen des Gesundheitssystems etwas aufzubessern.


Wenn es schon nicht gelingt, mittels Einsparungsmaßnahmen das hiesige Gesundheitssystem zu retten, so müssen wir uns bemühen, alternative Einnahmequellen zu schaffen. Und da Österreich ein Tourismusland ist und die Fähigkeit entwickelt hat, neben Schönbrunn, Mozartkugeln und Lipizzanern auch alle 48 Beethoven-Wohnhäuser und dessen sieben Sterbehäuser profitabelst zu vermarkten, sollten wir dieses Traditionshandwerk auch für unsere wunderschönen Kliniken nutzen.

Denn nicht nur die altehrwürdigen Pavillons aus der guten alten Zeit der Habsburger-Monarchie sind einen Besuch wert, Führungen sind in allen Krankenhäusern attraktiv: „Explore the Real Alpen-Medicine" – der Tourismus-Magnet. Sight-Seeing als Devisenbringer. Mitunter lässt ein Urlaubsgast sogar eine lukrative Operation an sich durchführen. Die Umsetzung ist denkbar einfach. An Fremdenführern mangelt es nicht in unserem Land, es können aber auch die eingesparten Ärzte aus dem Allgemeinen Krankenhaus nach einer kleinen Umschulung mit Reisegruppen durch die Spitalsgänge wandern.

Viel zu sehen gibt es allemal: „Real Austrian Doctors" jodeln oder spielen auf ihrem Pager die „kleine Nachtmusik". In der „Chamber of Pain" können sich die Touristen selbst in brutaler Krankengymnastik üben. Auf der „Ultra-Sound of Music-Tour" können tiefe Einblicke ins Innere der Österreichischen Patienten gewonnen werden. Die Pathologie bietet knöcherne Überreste möglicher Kaisernachfolger. Wer Glück hat erlebt die Prozession der Chefvisite in traditionellen Gewändern.

Die Radioisotopen-Show ist zwar immer ein Renner, sollte mit Gästen aus Japan jedoch eher gemieden werden. Ein Gruppen-Röntgenfoto zur Erinnerung rundet die Tour ab. Im angeschlossenen Souvenir-Shop lassen sich Infusionsflaschen mit einem Chirurgen im Schneetreiben und Saisonkarten für die Interne-Station erwerben. Da rollt der Euro …

Dr. Ronny Tekal-Teutscher, Ärzte Woche 34/2011

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