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Foto: Privat
Von Dr. Ronny, Teutscher Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.peter-teutscher.at
 
Kolumne Nebenwirkungen 25. März 2009

NebenWirkungen – Skandalöse Zustände bei Dr. Brinkmann & Co.

Wer im Krankenhaus sitzt, soll nicht mit Pillen werfen. Doch wer uns so ungeniert an die weißen Hosenbeine pinkelt, muss mit reflexartigen Tritten rechnen.

Wieder einmal sind wir in den Headlines. Ein neues Buch über Vergehungen in Krankenhäusern schlägt dieser Tage Wellen. Vertuscht, lebensgefährlich und unmoralisch sind noch die nettesten Attribute, die der heilenden Zunft vorgeworfen werden. Die Liste ist lang. Von grob fahrlässig bis fein durchgeplant sollen die Vergehen der Mediziner sein. Nun ja: Es gibt schwarze Schafe unter den Ärzten. Ich kenne aber auch ein, zwei weiße Exemplare. Die sind nicht kriminell. Nur müde.

Dabei wollen wir gar nicht im Detail zu den ganzen Vorwürfen Stellung nehmen. Machen wir lieber das, was wir am besten können: Die wahren Schuldigen außerhalb der Weißmantelfraktion suchen. Denn der Patient, als unmoralisches Wesen an sich, ist nicht zuletzt, der uns Ärzte zu solchen Fehlleistungen drängt. Ohne diese ungeduldige und, ja auch unberechenbare Personengruppe könnten wir den Krankenhausbetrieb reibungsfrei und demnach auch fehlerlos gestalten. Insofern halten wir uns ohnehin ganz gut, verglichen mit anderen.

Wir sind ja nicht die einzige Arbeitsstätte, wo ab und an mal gründlich gepfuscht wird. Nehmen wir einmal die Bäcker her. Wie oft mussten wir da schon lesen: „Skandal in der Bäckerei. Nachts hergestellte Handsemmeln um 20 Prozent kleiner!“ Auskünfte, die man in Call-Centern erhält, fallen allenfalls unter die Kategorie „Zufallsgenerator“ und die geistige sowie körperliche Abwesenheit von Beratern in Baumärkten ist schon selbstverständlich. Auch das Fortbestehen des seltsamen Klopfens nach der kostspieligen Reparatur am Auto ist weniger Ausnahme, denn Regel. Und schließlich stehen unsere Lieblingskollegen, die Pädagogen, ebenso in den Schlagzeilen: „Mathematiklehrer erklärt Rechnung falsch – Schüler übergibt sich“.

Übermüdete Taxilenker, langsame Postler, verwirrte Meteorologen – kennen wir alle. Warum hat man dann uns so im Visier? Natürlich können Fehler, die wir Ärzte begehen, dramatischere Folgen nach sich ziehen. Andererseits hoffe ich, dass sich Piloten, Busfahrer und der Koch, der gerade den Fugu-Fisch für mich zubereitet, ebenso zusammenreißen.

Bei allen Vorwürfen, die wir so zu hören bekommen, bleibt die Gewissheit: Wir werden es verkraften. Denn alle kommen sie früher oder später zu uns. Und wir sitzen nun mal auf der richtigen Seite der Spritze; auf jener Seite, auf der es nicht weh tut; auf jener Seite, von der man Druck ausüben kann. Und das beruhigt.

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Von Dr. Ronny Teutscher, Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.peter-teutscher.at

Von Dr. Ronny Teutscher , Ärzte Woche 13/2009

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