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Foto: Privat
Dr. Ronny Teutscher, Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.peter-teutscher.at
 
Kolumne Nebenwirkungen 20. März 2009

NebenWirkungen – Hurra, die Schule brennt

Da kommt Freude auf: Die Lehrer wollen streiken, und ihnen wird noch weniger Sympathie aus der Bevölkerung entgegengebracht als seinerzeit den Ärzten.

Wir dachten, die öffentliche Solidarität mit Ärzten wäre unangebracht niedrig. Haben wir uns doch jahrelang unsere medizinischen Hintern aufgerissen, um für die Patienten da zu sein. Dass dabei auch ein wenig Wohlstand für uns Ärzte abfällt, ist eine angenehme Nebenerscheinung. Denn nur ein glücklicher Arzt hat auch glückliche Patienten.

Doch nun können wir aufatmen: Das Verständnis für die Lehrer ist noch viel geringer! In diesen Tagen ist es wieder soweit, dass man versucht, der Lehrergewerkschaft ein Mehr an Stunden in der Klasse bei einem Gleichbleiben des Salärs in der Kasse schmackhaft zu machen. Die Fronten sind verhärtet wie die Leber von Kabarettisten.

Aus sicherer Entfernung kann der Ärztestand beobachten, wie die Kollegen der pädagogischen Zunft in ihrer Tätigkeit verunglimpft werden. Zugegeben: Zwei Monate Urlaub im Sommer, zwei Monate Urlaub zu Weihnachten und zwei Monate Urlaub zu Ostern machen den Lehrerberuf attraktiv. Glücklicherweise ist die Burn-out-Rate bei Lehrern ebenfalls erhöht. Wir sitzen daher leidensmäßig in einem Boot. Unser Burn-out wird aber dafür besser bezahlt.

Auch die Ärzte müssen gewisse erzieherische Fähigkeiten haben, um den Patienten das rechte Maß an Vernunft nahe zu bringen. „Wenn alles schläft und einer spricht, das nennt der Mensch den Unterricht“, haben wir schon zu meiner Volksschulzeit, als totale Outlaws, an die Wand des Schülerklos gekritzelt (dies war die intellektuelle und zahnlosere Variante des viel populäreren „Fuck the Teachers“). Im Operationssaal habe ich jedoch das Graffiti „Wenn einer schläft und fünf steh’n rum, das nennt Mensch das Klinikum“ noch nie gesehen. Dennoch: Ähnlichkeiten zwischen Schule und Krankenhaus sind durchaus zu finden. Vor allem die Patienten älteren Semesters sind gewohnt, bei der Chefvisite, selbst mit zwei frisch amputierten Beinen, stramm neben dem Bett zu stehen und „Guten Morgen, Herr Professor“ zu salutieren. Ist ein Zögling nicht brav, so wird dies ins Klassenbuch bzw. die Fieberkurve eingetragen. Das Zeugnis kommt in Form des Blutbefundes postwendend an den Hausarzt per blauen Brief, in dem eine Gefähr-dung des unartigen Patienten festgestellt wird. Rauchen darf man nur geheim auf der Toilette.

Also, liebe Kollegen: Bitte um Solidarität mit den Pädagogen. Akademiker aller Länder, vereinigt Euch gegen den Undank des Pöbels! Denn auch Eure Kinder gehen in die Schule zur Schule und nicht im Krankenhaus. Und das ist sehr gut. Setzen.

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Von Dr. Ronny Teutscher, Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.peter-teutscher.at

Von Dr. Ronny Teutscher , Ärzte Woche

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