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Kolumne Nebenwirkungen 5. Juli 2011

Ferien vom Kranksein

Ärzte, Patienten und auch Krankheiten haben ein Recht auf ausgedehnte und erholsame Sommerferien.

Die Sommerzeit ist da und damit drängen Patienten mit den unterschiedlichsten Leiden in den letzten Minuten der Ordinationsöffnungszeiten in die Wartezimmer des Landes. Schließlich wollen rasch noch die Medikamentenvorräte aufgefüllt oder die vergessenen Reiseimpfungen (am Tag vor der Abreise in den südamerikanischen Dschungel) in den Oberarm gejagt werden.

Dann wird es ruhig. Denn nicht nur die Ärzte sind auf Urlaub. Auch die Patienten. Einfach weg. Das ist faszinierend, denn nachdem es viele Patienten unterm Jahr kaum einmal drei Tage ohne Doktor aushalten können und mit bekümmertem Blick jedes verlängerte Wochenende des Hausarztes knirschend zur Kenntnis nehmen, kommen sie in den Sommermonaten plötzlich ohne medizinische Betreuung aus.

Wo sind sie hin mit ihren ganzen Leiden? Müssen die Kollegen in Teneriffa, Mallorca oder dem schuldengeplagten Griechenland nun unsere Agenden übernehmen? Doch auch aus den Urlaubsdomizilen vernimmt man, dass die dortigen Mediziner mit der Betreuung der 0-8-15-Erkrankungen nicht sonderlich überlaufen sind und sich eher amüsanteren Dingen wie dem Entfernen von Seeigelstacheln, dem Auspumpen alkoholgeschwängerter Mägen oder der Therapie von Geschlechtskrankheiten widmen dürfen.

In den Sommermonaten werden manche Dinge möglich

Die meisten Patienten machen anscheinend tatsächlich auch Urlaub von ihren Leiden. Oder zumindest von den Ärzten, die sich darum kümmern. Sollte es uns nicht zu denken geben, dass Dinge, die normalerweise nicht möglich sind, plötzlich möglich werden, wenn es sein muss? Dass Stationen, die normalerweise schon mit fünf Ärzten unterbesetzt sind, im Juli und August plötzlich auch mit einem einzigen Arzt funktionieren? Nicht falsch verstehen, liebe Krankenkassen: Den Sommerzustand über das Jahr durchzuziehen wäre keine gute Idee. Denn neben unzufriedenen Patienten, die sich in Kooperation mit dem Krankenpflegepersonal dann auch gegenseitig behandeln müssten, käme mit diesem einzigen Arzt nun auch ein weiterer Patient mit völligem Burnout dazu.

Aber vielleicht könnte man sich überlegen, die Zahl der Konsultationen ein wenig zu reduzieren und die gewonnene Zeit in ein wenig mehr Zuneigung umzuwidmen. So hätte man die Möglichkeit, zwischen „Grüß Gott, was fehlt Ihnen?“ und „Nehmen Sie diese Tabletten und kommen Sie morgen zur Kontrolle“ noch ein, zwei Sätze unterzubringen. So ein paar aufmunternde Worte haben manchmal fast so viel Wirkung, wie ein kleiner Urlaub.

In diesem Sinne wünsche ich schöne Ferien!

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