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Kolumne Nebenwirkungen 21. Juni 2011

Medizin im Sonderangebot

Kranksein ist teuer. Billigmedizin ist das Schlagwort des 21. Jahrhunderts, um sie für alle leistbar zu machen.

Seit Jahrtausenden werden die Menschen von Sonderangeboten magisch angezogen, wie vom Mond, vom Feuer oder von Dingen, von denen sie eigentlich die Finger lassen sollten (Atome, geklonte Schafe und Glücksspielautomaten). Letztlich entscheidet immer der Preis, ob sich Konsumenten für ein Produkt entscheiden. Diese niederen Instinkte, die auf das Schnäppchen-Gen zurückzuführen sind, werden in der Medizin jedoch viel zu wenig angesprochen. Im Gegenteil: Die Patienten wehren sich dagegen, ein billigeres Generikum verschrieben zu bekommen. Da läuft etwas falsch.

Um das Gesundheitswesen weiterhin finanzieren zu können, muss daher das Geiz- und Gier-Verhalten unserer Patienten etwas angekurbelt werden. Wenn der Landeshauptmann das rote Band einer neuen Klink durchschneidet, so sollten sich hinter ihm bereits die Massen, in Erwartung der besten Eröffnungsangebote, drängen. Wühltische mit Bandagen, Salben und billigen Jungärzten warten auf die Käufer. So lässt sich mit einfachen Mitteln das Gesundheitsbewusstsein beeindruckend verbessern.

Man kann auch wenig tricksen: Wir kennen alle die boomenden Geschäfte, wo bereits bei der Eröffnung im Schaufenster große Aufkleber mit dem Hinweis „wir schließen“ und entsprechend großzügige „Abverkaufspreise“ zu sehen sind. Ein dauerhaft am AKH angebrachtes Transparent „Wir sperren zu – nur noch zwei Wochen!!“ lockt Schnäppchenjäger aus Nah und Fern an, um sich die letzten freien Spitalsbetten zu schnappen. Die Bestpreis-Garantie sorgt dafür, dass man seinen entfernten Wurmfortsatz wieder zurückbekommt, so die Operation in einem anderen Krankenhaus günstiger gewesen wäre. Zudem werden die Haushalte regelmäßig mit Werbefoldern zu Aktionsangeboten bei CT-Untersuchungen, Hüftprothesen-Rabatte (die Dritte ist gratis!) und Gruppenreisen zu Gallenblasenoperationen nach Thailand versorgt.

Übrig gebliebene Impfungen werden vor Erreichen des Ablaufdatums in den „Wahnsinns-Impf-Wochen“ zu Schleuderpreisen verhökert; um nur 10,– Euro monatlich kann man seinen Arzt so oft anrufen, wie man möchte (bei einer Bindung von zehn Jahren). Und ein spezieller Abendtarif sorgt dafür, dass man zwischen 17.00 und 18.00 Uhr noch in der Happy-Hour eine Koloskopie zum halben Preis bekommt (oder man kommt zu zweit und bezahlt nur einmal). So geil kann der Geiz sein.

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