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Kolumne Nebenwirkungen 31. Mai 2011

„Der Patienten-Freund“ und Co

Originelle Fachjournal-Titel könnten Intresse der Ärzte erhöhen.

Die Zeitschriftenlandschaft ist schier unüberschaubar groß und unzählige Gazetten wenden sich an die Mediziner. Doch deren Namen zeugen nur von geringer kreativer Energie. Gerade bei den hoch seriösen Fachmagazinen scheint es einen Wettbewerb in Phantasielosigkeit zu geben.

Viel trockener als „The Journal of Oncology“ geht ja wohl kaum. Außer vielleicht „The Journal of Clinical Oncology“ oder gar „The Very Boring Journal of Clinical Oncology for Very Boring Clinical Oncologists“. Dabei sind Mediziner doch auch nur Menschen, die auf prickelnde Reizwörter reagieren wie der Pawlow’sche Hund auf das Glöckchen. Und wenn man sich die mediale Landschaft ansieht, so gibt es für jedes Interesse genau das richtige Magazin mit dem passenden Glöckchen: Für Freunde des gut platzierten Schusses in der freien Natur finden sich etwa „Der Jagdfreund“, „Lauf, Hase, lauf“ oder „Der Jäger aus Kurpfalz“ im Regal. Computer-Freaks dürfen sich über „Mein Laufwerk und ich“, „Mein Scheiß-Laufwerk und ich“ oder auch „An Apple a Day …“ erfreuen. Unüberschaubar auch die Zahl an Wohnungszeitschriften: „My Home is my Basel“ (für mit Schweizer Franken fremdfinanzierte Häuser), „Wohnen im Grünen“, „Wohnen im Grauen“ oder „Schöner Wohnen in hässlichen Immobilien“. Auch die Gesundheitsmagazine zeigen bereits im Titel, was sie zu bieten haben: „Well & Ness“, „Diät & Ich“ oder „Das große Anorexie-Journal“ sprechen ihre ganz individuellen Leserkreise an.

Nun sollten sich auch die medizinischen Fachzeitschriften einiges überlegen: Internisten abonnieren das Diabetes-Magazin „Sugar-Baby“, „Liver & More“ oder die Endoskopie-Zeitschrift „Beautiful Places“. Für forschungsaffine Mediziner oder Ärzte mit Drang zu einem Professorentitel sind die Magazine „Impact-Geil“, „Useless Studies“ und „Karriere durch Plagiat“ zu empfehlen. Chirurgen blättern in der neuen „Schneidewut“, im „Cut it“ oder „Die schönsten Schnittmuster“.

„Hammerfuß und Sichelzehe“ wird bald zum führenden Orthopäden-Journal. Ebenso wie die Zeitschrift für den Hüft-Liebhaber „Hip and Cool“. Die Praktiker greifen zum „Outburned“, auch „Der Patienten-Freund“ und „Ordinationen im Landarzt-Stil“ sind sehr beliebt. Vor allem das Anzeigenmagazin zur Vermittlung arbeitsloser Mediziner „Doc4Sale“ erfreut sich großer Beliebtheit. Auch Ärzte erfreuen sich an einer originellen Verpackung.


 

Dr. Ronny Tekal-Teutscher
Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.peter-teutscher.at

, Ärzte Woche 22 /2011

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