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Kolumne Nebenwirkungen 17. Mai 2011

Irren ist ärztlich

Bewährte Instrumente aus anderen Sparten, wie das in der Luftfahrt gängige Fehlermeldesystem, halten Einzug in die Medizin.

Es gibt Berufsgruppen, die – bei allem medizinischen Statusgehabe – sogar wir männlichen Ärzte geil finden. Dazu gehören etwa Profigolfer, Spitzenköche und Piloten. Gerne würde man daher auch einige Teilbereiche aus diesen Disziplinen in die Medizin integrieren. Etwa den Turnusarzt als Caddie zu verwenden, wenn der Primar bei der Chefvisite über die 18-Betten-Abteilung von einem Abschlag zum Nächsten spaziert. Leider noch eine Zukunftsvision. Auch die Spitzenküche hat sich in den Krankenanstalten noch nicht zu hundert Prozent etabliert.

Allerdings finden Dinge, die aus der Luftfahrt kommen, heute bereits großen Anklang im klinischen Alltag. Vielleicht reden viele Mediziner, wenn sie ihre Patienten aufklären, deshalb auch so übertrieben lässig und nuschelnd, wie ein Pilot bei der Durchsage der Flughöhe.

Ein aktuelles Beispiel ist die Einführung des Fehlermeldesystem CIRS in die Medizin. Dabei ist für Ärzte ein Umdenkprozess nötig, dass man nicht nur aus dicken Lehrbüchern, sondern auch aus Fehlern lernen kann. Die Piloten wissen das schon lange. Vielleicht sind sie deshalb ja so cool. Vielleicht liegt es aber auch nur an der Sonnenbrille.

In der Luftfahrt wird jeder Irrtum akribisch untersucht, um ihn in Zukunft zu vermeiden. Wenn also einem Flugzeug auf halbem Weg zwischen Wien und New York der Treibstoff ausgeht, weil der Pilot der Ansicht war, dass in den USA das Kerosin um zwei Cent billiger gewesen wäre und er deshalb in Österreich nicht vollgetankt hat, so ist dieser Fehler vermeidbar.

Verwechslungsgefahr

Auch in der Medizin lassen sich gängige Irrtümer mit einem derartigen System eliminieren: Wenn es etwa in einem Vierbettzimmer drei Patienten mit Nachnamen Mayer und einen Patienten mit Nachnamen Maier gibt, so empfiehlt es sich, nicht den erstbesten Mayer in den OP zu schieben, um ein Bein zu amputieren. Mit CIRS wird der Irrtum schon nach der ersten im Operationssaal zurückgebliebenen gesunden Gliedmaße analysiert. Die Lösung wäre, Patienten künftig in Krankenzimmer für linke und rechte Beine zu sortieren.

So wie Neugeborene und deren Mütter heute schon mit bunten Armbändchen ausgestattet werden, um Verwechslungen zu vermeiden, sollten auch Patienten und deren betreuenden Ärzte mit solchen Bändern ausgestattet werden. Und ein lustiger Pumuckl-Aufkleber auf der Vorderseite der Röntgenbilder könnte das falsche Aufhängen am Schaukasten verhindern. Simple Maßnahmen für simple Gemüter.

Dazu muss man sich aber erst einmal eingestehen, dass selbst Ärzte fehlbar sind. Und von dieser Erkenntnis ist man oft Flugmeilen entfernt.

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