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Kolumne Nebenwirkungen 13. April 2011

Bewertete Ärzte

Warum die österreichischen Patienten nicht viel von medizinischer Heilkunst halten, ihre Ärzte aber dennoch weiterempfehlen.

Umfragen sind geil. Denn aus den Ergebnissen lässt sich wunderbar herrlich, wie in einem Kaffeesud herauslesen, was man schon immer wusste. In der jüngsten Studie dieser Art befragte man in 23 Ländern der Welt über 20.000 Patienten zu deren Zufriedenheit mit ihren behandelnden Ärzten. Und siehe da: Hinsichtlich der Bereitschaft, den eigenen Arzt weiterzuempfehlen – wohl doch ein untrügliches Zeichen für eine gut bewertete Leistung – rangieren wir in Österreich auf Platz 2. Da kann man zu Recht stolz sein.

Allerdings gibt es noch ein paar weitere Fakten: Denn bereits auf die Frage nach einer guten Art der Kommunikation rangiert Österreich nur mehr im Mittelfeld zwischen Spitzenreiter USA (52 %) und Schlusslicht China (4 %). Ein logisches Ergebnis, denn in den USA hat man schließlich den Small-Talk erfunden. Und mit vielen Floskeln wie „Thank you for beeing my patient“, „Glod bless you“ und „God bless America“ fühlen sich die Patienten im wahrsten Sinn des Wortes hervorragend angesprochen. Dass man für diese Extra-Portion freundlicher Kommunikation auch tiefer ins Börserl greifen muss, spielt scheinbar nicht nur keine Rolle, sondern erhöht sogar den Spaß am Gespräch. Denn beendet der Arzt frühzeitig das Plauscherl, so gibt’s auch keine Dollar.

Das überaus schlechte Ergebnis der chinesischen Kollegen mag vielleicht daran liegen, dass österreichische Patienten befragt wurden, die in Peking beim Doktor naturgemäß nur chinesisch verstanden. Vielleicht sind Therapieempfehlungen unter Strafandrohung aber einfach nicht ganz so beliebt.

Bei der Frage, ob der Arzt in der Lage sei, seine Patienten gesund zu erhalten, sind die Spanier (88 %) ganz vorne. Krankheit besiegt! Olé! Österreich liegt mit 49 Prozent indes weit unter dem Durchschnitt. Möglicherweise sind die hiesigen Patienten, bei aller Strahlkraft des Ärztestandes, einfach nicht so leicht zu begeistern. Und da der Pessimismus „Wos soi des bringen …?“ eine Art Nationalsport ist, scheint das Ergebnis gar nicht so übel. Dass die österreichischen Patienten ihre Ärzte aber trotzdem gerne weiterempfehlen, ist bemerkenswert und könnte auch mit der alpenländischen Mentalität zu tun haben – dem Nächsten soll’s schließlich auch nicht besser ergehen.

Was auch immer in Rankings zu Tage tritt: In Österreich gibt es nur eine einzige Frage, die wirklich Relevanz hat. Und gerade diese Antwort bleibt uns die Studie sträflicherweise schuldig. Nämlich – völlig egal, wie schlecht wir selbst abschneiden – sind wir besser, als die Deutschen?

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