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Von Dr. Ronny Teutscher, Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.peter-teutscher.at
 
Kolumne Nebenwirkungen 4. März 2009

NebenWirkungen – Organe zu versteigern?

Hüfte umständehalber abzugeben.

Die Wirtschaftskrise legt nahe, uns ernsthaft Gedanken über noch zu erschließende Geldquellen zu machen. So bietet sich etwa an, seine Organe über ebay zu verklopfen. Das muss nicht unbedingt moralisch bedenklich sein.

Das negative Image des Organhandels, die grauenhafte Vorstellung, dass sich Menschen aus den ärmsten Ländern dieser Erde nicht unbedingt freiwillig des einen oder anderen Körperteils für einen reichen Westler zu entledigen haben, ist tief verwurzelt. Doch es gibt auch andere Varianten. Bereits zu Lebzeiten kann man auch hierzulande mit angeborenen oder auch erworbenen Organen handeln. Warum auch nicht? Schließlich trennt man sich ja auch von Zeit zu Zeit von vor Jahren gekauften Kleidungsstücken, von Küchengeräten oder Ehepartnern.

Über Kleinanzeigen im Internet oder ebay lässt sich bekanntlich alles verhökern. Und dazu muss man nicht einmal außer Haus. Es muss ja auch nicht gleich eine Niere, ein Herz oder eine Gehirnhälfte sein, die da den Besitzer wechselt. Viel begehrter sind Kleinteile, die sich auch logistisch einfach handhaben lassen.

Hält die Wirtschaftskrise an, so wird wohl die Zeile „Linke Niere ab 1 Euro“ öfter auf den Auktionswebsites zu lesen sein. Auch nicht mehr gebrauchte Bauteile lassen sich verkaufen. Das gilt nicht nur für Hörgeräte, Brillen oder Herzschrittmacher. „Hüfte, neuwertig und kaum gebraucht, umständehalber günstig abzugeben“, dieses Inserat ist denkbar wie auch „Brustimplantat Modell ‚Hollywood’, Zweitbesitz, BH-gepflegt, 400 EUR exkl. Einbau“ oder auch „Zähne, nicht kariös, dafür herausnehmbar mit zahlreichen Extras (Kukident, Glaserl für die Nacht etc.)“.

Nicht immer steht dabei das Geld im Vordergrund: „Bastlerhit: Alte Leber. Zirrhotisch. Nach Transplantation abzugeben. Bei Selbstabholung gratis.“ Wenn aber doch auch mit den Organen die Euro den Besitzer wechseln, so muss das gar nichts Unmoralisches haben. Oft hat der Vorbesitzer gar keinen Bedarf mehr: „Bin aus meiner Haut gefahren. Subkutis leicht beschädigt, daher günstig abzugeben.“ Und vielleicht geht es einem Körperteil bei einem neuen Besitzer sogar besser. So können etwa ungeliebte Mandeln im Empfängermund zahm und lieb sein, auch immunologisch brav mitarbeiten, anstatt sich andauernd zu entzünden. So ist allen geholfen.

Letztendlich können Banken auch Körperteile besichern. Sollte der Kreditnehmer einmal nicht li-quid sein, so kann über eine Zwangsversteigerung diverser Organe ein Teil der Schuld beglichen werden. Und ganz selbstbewusste Promis können mit ihrer Bauchspeicheldrüse sogar an die Börse gehen.

So darf es nicht wundern, wenn bei der nächsten Nierentransplantation in der Krankenakte vermerkt ist: Postgebühr zahlt Empfänger.

Von Dr. Ronny Teutscher, Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.peter-teutscher.at

Von Dr. Ronny Teutscher, Ärzte Woche

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