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Kolumne Nebenwirkungen 30. März 2011

Auswanderungsland Österreich

Unsere Jungmediziner werden aggressiv vom Ausland abgeworben. Das können wir nicht auf uns sitzen lassen.

Nachdem man uns vor 20 Jahren noch versicherte, dass man als angehender Mediziner höchstens einen Ausbildungsplatz im Taxigewerbe bekommen würde, so sieht die Welt im Jahr 2011 doch ein wenig anders aus (Für viele kommt diese Entwicklung leider, nach jahrelanger gesundheitsschädigender Duftbaum-Exposition, zu spät).

Heute treten die Kliniken sogar aktiv an die jungen Kollegen heran. Aus dem feindlichen Ausland wird nach unserem hoffnungsvollen Nachwuchs gefischt. Da werden in ganzseitigen Inseraten die Vorteile einer Klinik im Schwarzwald angepriesen, eine Facharztstelle, ein Assistenzarztposten oder gar ein Primariat können hier nach Beendigung des Studiums mit sofortiger Wirkung angetreten werden. Professor Brinkmann und Co. erwarten die österreichischen Mediziner mit offenen Armen, um sie mit Attributen wie „schöne Umgebung“ oder „junges dynamisches Team“ anzulocken. Sogar das österreichische Essen kann auf Wunsch nachgeliefert werden.

Auch der hohe Norden buhlt um die Gunst der Jungärzte: „Wollten Sie schon immer Wickie und die starken Männer behandeln?“ Doch einen lappländischen Dialekt zu erlernen und sechs Monate im Jahr im Dunkeln zu sitzen, ist nicht jedermanns Sache.

Das Problem: Eine Abwanderung in größerem Stil könnte mittelfristig zu einem Engpass in der medizinischen Versorgungsstruktur führen. Daher ist es jetzt an der Zeit, etwas Heimatwerbung zu machen. Selbst die unattraktiven Berufsaussichten und langen Reihungslisten in der Bundeshauptstadt kann man mit pfiffigen Slogans relativieren: „Wiener Krankenanstalten-Verbund. So schön kann Warten sein“. Auch das bekannt gute Klima der Universitätsklinik lässt sich bewerben: „Suchst du nach einer strengen Erziehung? Ruf mich an!“

In Anbetracht der prekären Situation sind auch provokantere Mittel erlaubt: „Lieber Schnitzel-Doktor, als Eisbein-Quacksalber“ oder „Jungarzt, bleib bei deiner Herd‘n oder willst Du Piefke werden?“

Letztlich kann man auch den Gegenangriff starten und die nördlichen Nachbarn ins Land holen. Die Kollegen sind schließlich auch Krankenhäusern in den ländlichen Gefilden der Alpen nicht abgeneigt: „Arbeiten, wo du immer schon saufen warst!“ „Steht’s in Dresden nicht zum Besten, sei nicht bösi, werd’ ein Ösi!“ Wer kann bei derart genial gereimter Reklame schon widerstehen?

Man könnte statt zu werben, auch die Rahmenbedingungen für die Jungärzte attraktiver machen. Aber so einfach darf man es sich nicht machen …

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