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Kolumne Nebenwirkungen 8. März 2011

Über echte und gefälschte Doktoren

Die Affäre Guttenberg stimmt auch die Ärzteschaft nachdenklich. Denn wer kann von sich behaupten, bei der Verfassung wissenschaftlicher Arbeiten niemals geschummelt zu haben?

Das stimmt uns Ärzte wirklich nachdenklich: Deutschlands Verteidigungsminister und politischer Strahlemann, der sich nicht nur mit einem „zu“ im Namen, sondern auch mit einem „Dr.“ vor dem Namen schmücken durfte, gab nun Amt und Doktortitel ab. Das „zu“ behält er sich allerdings. Grund für den Rücktritt waren Plagiatsvorwürfe bezüglich seiner Doktorarbeit.
Im Angesicht dieser öffentlichen Anprangerung eines Akademikers treten all die ganzen Albträume, die uns seit dem Medizinstudium verfolgen, wieder zu Tage: Haben wir denn tatsächlich dieses eine unscheinbare Praktikum für das Zahnkolloquium besucht oder haben wir es damals schlicht vergessen? Verlieren nun alle seitdem absolvierten Prüfungen und damit auch Promotionsurkunde und Approbation ihre Gültigkeiten? Wandern wir nichts ahnend in Wahrheit als Kurpfuscher durch die Lande?

Und müssen auch wir um unseren Doktortitel fürchten, wenn wir bei der Dissertation ein wenig unsauber gearbeitet haben? Obwohl ja nicht alle Kollegen eine Doktorarbeit verfassen mussten, um ein Doktor zu werden. Bis vor gar nicht allzu langer Zeit reichte etwa auch ein Wahlfach in Histologie wie „Reinigung und Pflege des Objektträgers, Teil 1“ und „Reinigung und Pflege des Objektträgers, Teil 2“. Doch haben wir damals ordnungsgemäß gereinigt? Oder holt uns auch hier die Vergangenheit ein. Dann stellt sich natürlich die Frage. Können Ärzte zurücktreten? Müssen dann auch Patienten ihre Gesundheit wieder gegen ihre alte Krankheit eintauschen, wenn sie rechtswidrig geheilt wurden?

Drücken wir doch bei diesen ganzen Plagiatssachen ein Auge zu. Denn was ist schon „eigenverfasst“? Ein bisschen Kopieren hier, ein wenig Stehlen dort, etwas frische Farbe und fertig ist die neue Originalarbeit. Hand aufs Herz: Wie viele Meilensteinstudien gibt es denn wirklich? Und wie viele Studien kommen einen irgendwie als schon mal da gewesen vor?

Allein diese Kolumne ist nichts anderes – und damit beantworte ich gleich pauschal viele Anfragen an mich – als ein Plagiat. Ein simples Copy & Paste: Copy im echten Leben des Medizinalltags, Paste in dieses Kästchen hinein.

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