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Kolumne Nebenwirkungen 2. März 2011

Angst vor der Globulisierung

Nach einer medienwirksamen Kampagne gegen die Homöopathie schlagen die Komplementärmediziner zurück.

Die „Gesellschaft der Nicht-ganz-so-guten-Freunde der Homöopathie“, die sich durch die alleinige Existenz dieser Heilmethode persönlich beleidigt fühlt, hat sich wieder zu Wort gemeldet. In einer vor kurzem wieder durchgeführten Aktion wurde die Skepsis einiger Homöopathie-Gegner zum Ausdruck gebracht: Sie nahmen eine „Überdosis“ homöopathischer Kügelchen ein, um deren Wirkungslosigkeit zu demonstrieren und stellten Filmchen dazu ins Internet auf Youtube, eingebettet zwischen den Videos „Max popelt in der Nase“ und „Die 3-jährige Louisa singt Wagners Ring in voller Länge“. Die kritisch-homöopathische Welt fühlte sich bestätigt, da weder jemand vergiftet noch geheilt wurde.

Die Homöopathen schütteln ihre Kügelchen und ihre Köpfe. Denn, dass selbst beim Verzehr einer Sattelschlepperladung Globuli kaum etwas passiert (so sie nicht einem Diabetiker verordnet wird), war auch für sie abzusehen.

Also wenn schon Kritik, dann doch etwas fundierter. Schließlich hat das Unverständnis, das der Homöopathie oft entgegengebracht wird, nicht zuletzt mit dem guten alten Brauch zu tun, die Bedienungsanleitung nicht durchzulesen. So könnte es sein, dass auch die Homöopathen mit aktionistischen Events zurückschlagen, indem sie gewisse Dinge absichtlich missverstehen und etwas zweckentfremdet anwenden.

Man könnte etwa 1.000 Skalpelle in Wasser auflösen, die Flüssigkeit schluckweise trinken und feststellen, dass mit diesen Instrumenten eine Operation gar nicht möglich ist. Aber auch die lokale Applikation eines Abführmittels in die Haare wird kaum zu Durchfällen führen. Und einer ausgewählten Personengruppe geschlossene Blisterpackungen „angeblich wirksamer“ Kortisonpräparate unter die Kopfpölster zu legen, kann deren Wirkungslosigkeit eindrucksvoll belegen.

Aus rechtlichen Gründen muss an dieser Stelle auf die Ironie des obigen Absatzes verwiesen werden, damit keine Menschen mit inneren Verletzungen nach der schluckweisen Einnahme des Skalpellwassers in der Klinik vorstellig werden.

Machen wir doch einen spektakulären Selbstversuch: Nehmen wir alle einmal lustige Antibiotika bei unserem nächsten Schnupfen. Wohl wissend, dass die hier nicht wirken. Dazu schlage ich aus organisatorischen Gründen vor, dieses Experiment in den Praxen der Hausärzte durchzuführen. Das wird ein Spaß. Ach, ich höre gerade, die sind schon ohne mich auf diese Idee gekommen. Schade.

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