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Kolumne Nebenwirkungen 15. Februar 2011

Dr. Ben Ali und Prof. Mubarak

Die Welt verändert sich. Und auch die Welt innerhalb der Krankenhausmauern ist vor Revolutionen nicht gefeit.

Die letzten Wochen haben die arabische Welt historisch ganz schön durcheinander gebeutelt. Nach Tunesien hat nun auch Ägypten seinen langjährigen Staatschef in die Wüste geschickt. Solche Revolutionen machen auch anderen Völkern Mut. Selbst die Österreicher, Schweizer und Liechtensteiner überlegen, ob sie nicht durch einen Führungswechsel ihre Lage ein wenig verbessern, den einen oder anderen persönlichen Vorteil daraus ziehen oder zumindest verbilligte Tagespässe für die zu teuren Skigebiete erhalten könnten.

Nun hat das große Zittern auch in den Führungsetagen der Krankenhäuser begonnen. Denn nicht alle Kliniken sind von großer Zufriedenheit, Eintracht und demokratischem Führungsstil geprägt. Nein, so mancher Dr. Ben Ali oder Prof. Mubarak regiert nach wie vor eine Abteilung mit diktatorischem Ehrgeiz:

Wenn der Herrscher über das Reich der Kranken den Operationssaal betritt und die angeregten Gespräche verstummen, die Lounge-Musik abgeschaltet und die lustige Tupferschlacht beendet wird, dann weiß man, wer in diesem Haus die unangefochtene Nummer eins ist. Wird in einer Klinik auf unbestimmte Zeit der Ausnahmezustand ausgerufen, in der jedwede oppositionelle Meinung drakonisch mit Operationsverbot bestraft wird, sollte man sich Gedanken machen, ob man sich tatsächlich in einem demokratischen Gefüge befindet. Die nächtliche Ausgangssperre ist zwar in Krankenhäusern nicht unüblich, wenn diese jedoch auch die nicht diensthabenden Ärzte betrifft, so ist dies zumindest bedenklich. Und wenn der Chef im Zornesrausch das Operationsbesteck nach den Untertanen wirft, bei der Visite einen Sekundararzt ins Eck stellt oder einen Patienten zum Scheitelknien nötigt, so wäre ernsthaft eine kleine Revolution zu überlegen.

Natürlich ist es günstig, wenn sich der Primar einen gewissen Respekt erarbeitet, um nicht bei jeder Anordnung mit dem Oberarzt, der Oberschwester und dem Ober-Bettenschieber diskutieren zu müssen, ob diese Entscheidung auch wirklich sinnvoll ist. Doch mit dem Patienten darf man durchaus schon mal darüber reden.

Den väterlich unumschränkten Herrschern mag vielleicht ein gewisser Glamour-Faktor inne wohnen. Doch so ein Umsturz kann schneller gehen, als man denkt. Fazit für die lieben Abteilungsleiter: Wer aus der Geschichte lernt, hat die Chance nicht nur berüchtigt, sondern vielleicht auch beliebt zu sein.

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