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Von Dr. Ronny Teutscher, Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.peter-teutscher.at
 
Kolumne Nebenwirkungen 27. Februar 2009

NebenWirkungen – Fehler bitte melden!

Irren ist ärztlich.

Sie sollten nicht passieren. Aber sie passieren. Selbst den göttlichsten Halbgöttern unter den Weisen passieren mitunter mehr oder weniger folgenreiche Fehler.

Auch wenn es üblich ist, medizinische Fehler unter die Bauchdecke zu kehren, so sollte man dennoch dazu stehen. Hat man etwa bei einer Knieoperation irrtümlich am falschen Bein begonnen, so sind ein frühzeitiges Zunähen der Wunde, ein freundliches „Pardon“ und ein Neustart auf der richtigen Seite dem unauffälligen „Durcharbeiten“ über Oberschenkel, Leiste und kleines Becken auf das gegenüberliegende Knie vorzuziehen. Ehrlichkeit und das Eingeste-hen von Fehlern wären also angesagt. Auf der anderen Seite sollte man den Patienten im Zuge einer Endoskopie auch nicht mit einem verwunderten „Wo bin ich denn da gelandet?“ zu sehr verunsichern.

Man kann nur aus Fehlern ler-nen, wenn sie auch als solche erkennbar sind. Den Gepflogenheiten im Flugverkehr nachempfunden kann eine Fehlermeldestelle anonym den Kollegen die Möglichkeit geben, die eigenen Fehler zu posten, damit die anderen daraus lernen können. Wenn ein Pilot seinen Erfahrungsschatz weitergibt – etwa dass es nicht klug war, in Schwechat nicht voll aufzutanken, um auf dem Weg das Kerosin um 2 Cent billiger zu erstehen – so wird dies in einem Register fest- gehalten. Andere können daraus ler-nen und gleich das billigere Heizöl tanken.

Und da wir Mediziner gerne Anregungen anderer Berufsgebiete aufgreifen und viele Techniken von Psychologen, Fleischern und Freistil-Ringern in unser Repertoire integ-riert haben, wollen wir auch hier die Größe zeigen, um durch das Geständnis fachlicher Unpässlichkeiten der Nachwelt behilflich zu sein. Die so erstellte Datenbank zeigt, dass sich Fehler mit einfachen prophylaktischen Maßnahmen vermeiden lassen. Bitte also die Harnproben nicht unbeschriftet im Dienstzimmer-Kühlschrank lagern. Keine Zigarettenpausen vor dem Sauerstoffgerät. Eine gewisse Empathie ist gerade bei schwer kranken Patienten angezeigt, von Händchenhalten während der Defibrillation ist jedoch abzuraten. Auch sollten keine allzu stark bröselnden Kekse während einer Operation bei offenem Thorax verspeist werden. Zweimaliges Nachdenken ist vor der Punktion einer verdächti- gen flüssigkeitsgefüllten Schwellung über dem Schambein angezeigt. Und alleine das Vorliegen eines Nulllinien-EKGs ist noch lange kein Zeichen für einen Exitus, solange sich der Patient gegen die Abschiebung auf die Pathologie wehrt.

Also bitte, liebe Kollegen, geniert euch nicht, die passierten Fehler laut in die Welt hinauszuschreien. Damit es die Nachwelt hören möge. – Und die Rechtsanwälte.

Foto: Privat

Von Dr. Ronny Teutscher Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.peter-teutscher.at

Dr. Ronny Teutscher, Ärzte Woche

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