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Kolumne Nebenwirkungen 8. Februar 2011

Fasching im Krankenhaus

Neben den legendären Karnevals-Veranstaltungen wie etwa „Lainz, wie es singt und lacht“ gibt es kaum eine Klinik, an der sich nicht zumindest in Spuren der alljährliche Schalk einfinden würde.

Dass es im Krankenhaus lustig zugeht, das wissen einerseits chronisch kranke Patienten, die bereits die primäre Ehrfurcht vor den ehrwürdigen heiligen Klinikhallen abgelegt und ein klareres Bild der real-satirischen Gegebenheiten haben. Das weiß auch die Belegschaft, die den Karneval der Mediziner tagtäglich hautnah erleben darf.

Dennoch kann man im Fasching diesem Treiben noch ein kleines Krönchen aufsetzen. Kleine Partyspiele erhalten die Gesundheit für Kund- und Belegschaft. Die „Reise nach Jerusalem“ kann vor allem im Rahmen einer Grippewelle gespielt werden, wenn im überfüllten Spital eine größere Anzahl von Patienten zu lustiger Musik um die Betten tanzt. Stoppt die Musik, so legen sich die Kranken in ein freies Bett. Die Übriggebliebenen müssen nach Hause gehen. Und wer die legendäre Visiten-Polonaise im Fasching noch nie gesehen hat, der hat nicht gelebt: denn der Höhepunkt ist die Kon- fetti-Parade, bei der die Oberschwester die bunten Tabletten, Kapseln und Pastillen schwungvoll in die Krankenzimmer wirft.

Besonders beliebt, weil lustig, ist die Verköstigung der Patienten auf der Diabetes-Station mit Faschingskrapfen durch den Vorstand persönlich, nachfolgender Bestimmung des HbA1c und kollektiver Abmahnung der „unartigen“ Diabetiker.

Und wenn der Internist endoskopisch einen Gegenstand in einer Körperöffnung des Patienten versteckt, den der Radiologe suchen muss, herrscht Hochstimmung bei (fast) allen Beteiligten. Ein weiteres Beispiel für das närrische Treiben ist „Blinde Kuh im OP“, bei der der Chirurg mit verbundenen Augen den Wurmfortsatz des Patienten zu fassen bekommen muss. Verfehlt er sein Ziel, so darf die erste Assistenz ran.

Originelle Verkleidungen sind bei Ärzten und Patienten gleichermaßen geschätzt. Ein einfaches, aber wirkungsvolles Kostüm ist die Weitergabe des Namensschildchens: So wird rasch aus dem unscheinbaren Sekundararzt Dr. Anderl, der strahlende Oberarzt Dr. Gschwanderl. Und auch die Patienten können durch den Tausch der Armbändchen ihre Identität weitergeben. Ein Spaß für das ganze Krankenzimmer, wenn der Proktologe im falschen Patienten wühlt.

Die sonst immer so grantige Ambulanzschwester verkleidet sich mit einem lustigen Hütchen als grantige Ambulanzschwester mit lustigem Hütchen. Die Betten werden mit grellbunter Bettwäsche überzogen, die Infusionslösungen in modischen Partyfarben eingefärbt.

So trist kann die Stimmung in einem Krankenhaus gar nicht sein, als dass nicht eine kleine Luftschlange durch die Gänge fliegen kann.

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