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Kolumne Nebenwirkungen 18. Jänner 2011

Die Patienten-Fußfessel

Nur eine lückenlose Überwachung der Patienten gewährleistet auch außerhalb der Krankenhäuser und Ordinationen eine gute Compliance.

Der Einsatz der elektronischen Fußfessel kommt in Österreich langsam in Mode. Auch in der breiten Bevölkerung hat es sich mittlerweile herumgesprochen, dass es sich dabei nicht um ein kleines Sado-Maso-Spielzeug aus dem Erotikshop handelt. Vielmehr kann eine Haftstrafe in den eigenen vier Wänden abgesessen werden. Nur Einkäufe und der Weg zum Arbeitsplatz sind erlaubt. Der große Vorteil dieses mobilen Zuchthauses: Der Staat erspart sich viel Geld, der Delinquent ein paar unliebsame erotische Annäherungsversuche in der Gefängniszelle.

Können wir nicht eine solche Errungenschaft auch in der Medizin verwenden? Bei den horrenden Kosten, die jeder Liegetag im Krankenhaus verschlingt? Denn unsere ganze mühsam großgezogene evidenzbasierte Medizin können wir uns in die Haare schmieren, wenn die Compliance nicht passt. Die Einhaltung ärztlicher Empfehlungen kann zwar in den Kranken-, Kur-, und Besserungsanstalten weitgehend lückenlos überprüft werden. Doch sind die Patienten einmal entlassen, kommen sie in ihr heimisches Sodom und Gommorrha, so sind alle guten Vorsätze zur Gesundung dahin.

Vielleicht borgt uns das Justizministerium einige Exemplare dieser Fußfesseln, damit wir sie auf unsere Bedürfnisse adaptieren können. Die Fernüberwachung von Patienten, das mobile Monitoring, ist ja nichts Neues. Und mit diesem Tool sollte es möglich sein, auch die massive kriminelle Energie, die jedem Patienten innewohnt, einzudämmen. Jede Aktion kann mit der elektronischen Fußfessel akribisch kontrolliert und etwa ein allzu häufiger Gang zum Kühlschrank unterbunden werden. Verpflichtend wäre hingegen der oftmalige Aufenthalt am Wasserhahn sowie auf der Toilette. Ausgänge sind erlaubt, vor allem ausgedehnte Waldspaziergänge, wohingegen Besuche in der einschlägigen Szene (Konditoreien und Tabakwarenläden) sofort an die Zentrale gemeldet werden. Ein digitaler Kalorien-Sensor misst die zugeführten Nahrungsmittel, über einen Schrittzähler wird die zu Fuß zurückgelegte Strecke evaluiert und die Medikamentenschachteln verfügen über einen elektronischen Öffnungsmechanismus. Zu jedem vollen Quartal wird der Arztbesuch mittels GPS-Signalen kontrolliert. So müssen unsere Schäfchen auch in ihrer gewohnten Umgebung nicht auf das schöne Gefühl der Fremdbestimmtheit verzichten.

Kritiker, die darin eine Orwell’sche Überwachung wittern, sei gesagt: Auch Kritiker haben zu hohe Cholesterinspiegel. Wäre doch gelacht, wenn wir unsere Patienten nicht zu ihrer Gesundheit zwingen könnten.

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