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Kolumne Nebenwirkungen 5. Jänner 2011

MediLeaks

Die Aufregung um veröffentlichte Geheimdaten durch die Internetplattform WikiLeaks schlägt nun auch Wellen in der medizinischen Welt.

Das war eine Spaß für die Welt der Hacker: Geheimste Daten zu Strategien, Gesprächsinhalten und Toilettenverhalten unzähliger Diplomaten wurden Ende vorigen Jahres der gemeinen Welt zum Fraß vorgeworfen. Der Betreiber der Internet-Plattform gilt mittlerweile in den USA als Staatsfeind Nummer eins, die Wirtschaftsmacht zittert vor einer Handvoll Computer-Freaks.

Dabei ist diese Panik durchaus nachvollziehbar. Denn – damit auch wir es besser verstehen – im Krankenhaus gibt es eine große Zahl an geheimen Informationen, die nicht in die falschen Hände geraten darf. Wenn etwa bei der Morgenbesprechung Patient P. als „querulantischer Hypochonder“ bezeichnet wird, so wird diese Aussage am Patientenbett in den seltensten Fällen wiederholt.

Dass Patienten mittlerweile ein Recht auf die Wahrheit haben, hat sich zwar noch nicht bei allen Ärzten durchgesprochen, wenn sie hinter dem Rücken der Kranken mauscheln und tuscheln. Die Kommunikation ist heute immerhin deutlich offener, als vor einigen Jahren. Dennoch: So ganz ungefiltert möchte man die getätigten Aussagen denn auch nicht weitergeben. Schließlich hat auch das Wort therapeutische Wirkung und muss wohl dosiert eingesetzt werden. Eine Therapie, die mit „nutzt’s nix, schadt’s nix“ angeordnet, eine Operation, die mit „is’ auch schon wurscht“ begonnen, eine Entlassung, die mit „in einer Woche liegt er eh wieder da“ durchgeführt wird, wirkt sich auch entsprechend auf die Patienten aus. Würden diese Gesprächsprotokolle in die falschen Hände von Patienten, Verwandten oder gar Patientenanwälten kommen – nicht auszudenken!

Ganz zu schweigen von den Gesprächen, die über Kollegen und Vorgesetzte geführt werden. Stellen wir uns vor, was die ungefilterte Weitergabe der – meist doch ziemlich ulkigen – Bösartigkeiten und Diffamierungen für die Karriere bedeuten würde. Und auch die Gesprächsprotokolle unserer Patienten im Wartezimmer über die ärztlichen Unzulänglichkeiten sollten besser nicht in unsere Hände geraten.

Verhalten wir uns also alle ein wenig buddhistischer; im Wissen, dass jedes Tun eine Wirkung hat, auch wenn es nicht aufgedeckt wird. Dann brauchen wir uns auch nicht um undichte Stellen zu sorgen, so sie nicht in Harnkatheter-Beuteln zu finden sind.

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