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Kolumne Nebenwirkungen 7. Dezember 2010

Weiße Pracht

Die Farbe Weiß hat es uns Ärzten angetan. Denn „Götter in Rosa“ klingt bei weitem nicht so edel.

Dieser Tage, wenn sich der Schnee von gestern in den Städten langsam von einem bezaubernden Weiß in ein ernüchterndes Grau wandelt, merken wir, wie ästhetisch die Farbe Weiß eigentlich ist. Umso verständlicher, dass sich die Mediziner für diese Farbe entschieden haben. Ein „Gott in Rosa“ wäre nicht annähernd so beeindruckend und würde eher Assoziationen von Miss Piggy und Lillifee wecken.

Reines Weiß ist, verglichen mit einem bunten Blümchenmuster, bei der hoch temperierten chemischen Reinigung unkompliziert zu handhaben. Da des Öfteren Körperflüssigkeiten (im Idealfall nur jene der Patienten) auf den Arbeitsmänteln zu haften kommen, birgt die weiße Farbe den Vorteil, etwaige Blutflecken rasch zu identifizieren und den Mantel zu tauschen. Die Farbe „Transparent“ hat sich nicht so bewährt, da Ärzte nicht gerne zeigen, was sie unter ihrem Kittel tragen. Zudem sieht diese Bekleidung eher aus, wie eine Regenpellerine.

Problematisch ist es nur, dass die Ärzte kein Exklusivrecht auf die Farbe Weiß bei ihrer Berufskleidung besitzen. Denn auch außerhalb der Krankenanstalten finden sich Menschen in einer sehr ähnlichen Kluft: Bäcker, Fleischhauer, sogar Physiklehrer oder – und das trifft uns besonders – Apotheker!

Wir sollten unsere besondere Position durch ein adäquates Gewand als Statussymbol unterstreichen. Ein unverwechselbares Kleidungsstück, das Autorität, Vertrauenswürdigkeit und Kompetenz gleichsam unterstreicht. Ich denke mir, eine römische Toga würde sich hier hervorragend eignen. Das hätte neben dem Symbol für eine lange Tradition unseres Berufsstandes auch diesen gewissen lateinischen Touch. Auch ein weißer Smoking würde besser passen, als die schnöden Arbeitsmäntel.

Imposant wäre – auch wenn sich dies anfangs etwas bizarr darstellen würde – ein weißes Hochzeitskleid für den Primar, das im Rahmen der heiligen Chefvisite getragen wird. Die Prozession würde feierlich durch die Krankenhausgänge ziehen, die Krankenschwestern streuen weiße Blüten auf den Boden, die Turnusärzte dürfen die Schleppe tragen. Und das soll uns einer mal nach machen.

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