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Kolumne Nebenwirkungen 3. Dezember 2010

Arbeiten, wo andere Urlaub machen

Für Ärzte gibt es im Winterurlaub zahlreiche Zuverdienstmöglichkeiten: Die Zweitordination im Ferienhotel macht es möglich.

Skiurlaube sind teuer. Vor allem, wenn man mit der ganzen Familie unterwegs ist. Da fallen nicht nur die Kosten für Unterkunft, Skipässe und die Schneezulage (so es auf der Piste tatsächlich weiß sein sollte) an, auch das Equipment muss zuvor besorgt werden. Denn Kinderfüße wachsen, Skischuhe interessanterweise nicht.

Das kann sich der Arzt von heute schlicht nicht mehr leisten. Um dem Verdienstentgang im Urlaub zu minimieren, ist es daher ratsam, ein weiteres Hotelzimmer zu buchen, um darin im lukrativen Wintersportort zu ordinieren. Denn, wo sonst finden sich derart viele zahlungskräftige Privatpatienten aus aller Herren Länder, die sich selbst in überdurchschnittlich ungesunde Situationen bringen: Abgesehen von Sonnenbränden und Erfrierungen, gebrochenen Gliedmaßen und Herzen, finden sich die ganz normalen Folgen eines ausschweifenden Lebensstils wie Alkoholintoxikationen und Viagra-Abusus. Ein Paradies für Ärzte, die sich ihre Urlaubskasse ein wenig aufbessern wollen.

Zwar kann es mitunter etwas lästig sein, im Wellnessbereich von den Patienten zu den Befindlichkeitsstörungen, Blutwerten und möglicherweise ansteckenden Hauterkrankungen befragt zu werden, doch gerade deshalb rollt der Rubel. Denn Patienten schätzen nichts mehr, als den Arzt rund um die Uhr greifbar zu wissen.

Natürlich könnte dies auch eine etwas angespannte familiäre Situation mit sich bringen, wenn der Après-Ski in der Hotel-Ordination abgehalten wird. Und mit gipsverschmierten Händen beim Abendessen zu sitzen, trägt auch nicht zur Balancierung des Haussegens bei. Die Arbeit kann gar nicht so unauffällig in den Urlaub reingemogelt werden, dass die Familie den Etikettenschwindel nicht bereits von Weitem riecht.

Daher sollte die Familie in dieses Projekt eingebunden werden. Wozu teure Kinderbetreuung berappen, wenn der Nachwuchs genauso viel Spaß daran haben kann, holländische Beine einzugipsen. Es zahlt sich aus. Und mit dem ganzen verdienten Geld kann man dann nächstes Jahr wieder auf Skiurlaub fahren.

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