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Foto: Privat
Von Dr. Ronny Teutscher, Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.peter-teutscher.at
 
Kolumne Nebenwirkungen 5. Februar 2009

NebenWirkungen – Aufopferung für das Patientenwohl

Wir sind die Guten!

Es ist verwunderlich, dass wir Ärzte nicht knapp vor der Seligsprechung stehen. Denn alles, was wir tun, der Grund für die jahrelange Ausbildung, für die Aufopferung, für familienfeindliche Arbeitszeiten und massiven Stress – ist das Wohl unserer Patienten. Amen.

Wir ticken anders als der Rest der arbeitenden Bevölkerung. Denn im Gegensatz zu den egoistischen Schweißern, Nachtportieren oder Putzfrauen geht es uns nicht um den schnöden Mammon, sondern lediglich um das eine: das Wohl unserer Patienten.

So nehmen wir in völlig altruistischer Weise Kürzungen bei den Gehältern im Gesundheitswesen als genau das hin, was sie sind: Schikanen für die Patienten. Ist die Kasse mal knausrig, so werden die tollen Medikamente unseren Patienten vorenthalten, nicht uns. Demonstrierend auf die Straße gehen wir ausschließlich für unsere Schäfchen. Das müssen sie uns wert sein. Man kann sagen, wir sind die „Mutter Teresa“ der Medical-Working-Class; es treibt uns ob unseres sozialen Engagements sogar selber die Tränen in die Augen.

Dafür wollen wir aber auch etwas von unseren Patienten. Nicht viel. Aber zumindest ein wenig Anerkennung. Demut. Unendliche Dankbarkeit für diese unsere Opferbereitschaft. Und gerade deshalb laufen wir auch ein wenig unrund, wenn unsere Bemühungen mit Füßen getreten werden.

So ist es für jeden nachvollziehbar, wenn Menschen, die nur wenig Compliance an den Tag legen, in den Krankenanstalten auch nicht allzu beliebt sind. Menschen, die geheim ihre Tabletten wegwerfen. Die versteckt rauchen. Die geheim trinken, so es sich nicht um ein als Weinverkostung getarntes Besäufnis handelt. Oder die alleine durch ihre massive Körperfülle den Undank quasi wie einen Bauchladen vor sich hertragen.

Die Adipositas ist das rote Tuch für das medizinische Personal. Denn hier wird vom Patienten massiv und offenkundig unser Gesundheitssystem verhöhnt. Daher verdienen diese Menschen auch unsere Anerkennung nicht. Hier hört sich die Empathie, die wir einmal in einem verpflichtenden Psychologiekurs gehört haben, auf. Einfühlungsvermögen: Ja, aber nur bei den Braven! Denn warum sollen Menschen, die bewusst das Sozialsystem durch ihre Maßlosigkeit schädigen, auf unser Mitgefühl hoffen? Sie werden zwar behandelt, sollen aber auch die geballte Ladung Widerwillen zu spüren bekommen, dass sie es eigentlich nicht verdienen. Und selbst das tun wir nur zu ihrem Besten. Denn so ein bisschen Inquisition wird uns zukünftigen Seligen wohl erlaubt sein.

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Von Dr. Ronny Teutscher Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.peter-teutscher.at

Dr. Ronny Teutscher, Ärzte Woche

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