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Kolumne Nebenwirkungen 29. Jänner 2009

NebenWirkungen – Hoffnung auf die Zukunft

Yes we can!

Die Wahl des neuen US-Präsidenten Obama macht Hoffnung, dass Dinge, die heute kaum vorstellbar sind, in Zukunft Wirklichkeit werden könnten. Auch in der Medizin.

„It’s time for change“. Sagte jüngst ein US-Amerikaner. Und es handelt sich dabei nicht um einen Hormonspezialisten, der den Wechsel propagiert. Gut, Amerikaner sind ein eigenes Völkchen. Übergewichtig, hyperpatriotisch, schießwütig und vollgepumpt mit hierzulande verbotenen Lebensmittelzusatzstoffen.

Doch die Präsidentenwahl zeigte, dass in Übersee auch andere Dinge zählen, als „No Sex, no Drugs and no Evil“. Vielmehr sieht man, wie früher undenkbare Dinge plötzlich Realität werden können. So lassen wir kurz einmal unsere limitierten Gedanken von der Leine und überlegen, welche medizinischen Errungenschaften der Zukunft heute noch gar nicht vorstellbar sind.

Wird etwa in einigen Jahren der erste Komplementärmediziner an der Spitze der Universitätsklinik stehen? Und wird man dieser Person dann zujubeln? Oder werden sich in den schulmedizinischen Südstaaten die Hardliner durchsetzen?

Wird die Welt je reif sein für eine Krankenkasse, die dem gemeinen Kassenarzt mehr als 1,50 Euro für die Akutversorgung eines polytraumatisierten Patienten inklusive Luftrettung erstattet?

Und vielleicht wird ja ein Primar einen Patienten am letzten Tag des Klinikaufenthaltes den denkwürdigen Satz: „Wir bitten um Entschuldigung für die entstandenen Unannehmlichkeiten“ mitgeben. Ein kleiner Satz für die Klinik, aber ein großer Satz für einen Patienten.

Und möglicherweise steht irgendwann im an den zuweisenden Hausarzt adressierten Entlassungsbrief: „Wir haben uns leider geirrt und Ihren Patienten zwei Wochen lang völlig umsonst therapiert. Bitte ignorieren Sie daher unseren Therapievorschlag und behandeln Sie den Patienten so hervorragend, wie zuvor.“ Da würde sich eine Spitalsabteilung heute wohl eher noch einen Infusionsschlauch abschnei-den, bevor sie sich zu so einer Äußerung hinreißen lässt.

Und wird einmal eine Krankenhausabteilung tatsächlich größer sein, als die zugehörige Rechtsabteilung? Kann man daher in ferner Zukunft bei einem Patienten mit rinnender Schnupfennase auch einmal von einer weiteren Diagnostik zur juristischen Absicherung absehen? (immerhin könnte es nicht um Rotz, sondern um Liquor handeln und da machen wir sicherheitshalber ein Ganzkörper-MRT, weil von irgendwo muss es ja kommen)

Und wird die Tätigkeit eines Turnusarztes in einem Wiener Gemeindespital in einer denkwürdigen Zeit einmal darüber hinausgehen, die Leibschüsselfrequenz zu dokumentieren, diese sorgfältig in die Krankengeschichte einzuheften und eine schöne Zierzeile darunter zu malen?

Ich muss ja nicht gerade „einen Traum“ haben, aber man wird sich doch mal was wünschen dürfen …

Von Dr. Ronny Teutscher , Ärzte Woche

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