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Kolumne Nebenwirkungen 20. Oktober 2010

Lang lebe der Mensch

Zukunftsforscher sind der Meinung, ein Lebensalter von 300 Jahren ist für die Menschen durchaus realistisch. Für uns Ärzte stellt sich die Frage: Wo beginnt hier die Geriatrie?

Der bekannte Zukunftsforscher Ray Kurzweil, der zurzeit kurz in unserem schönen Land weilt, prognostiziert uns ein realistisches Lebensalter von 300 Jahren. Das ist ganz schön alt, bedenkt man, dass vielen Menschen mit 40 bereits langweilig ist.

Doch was bedeutet dies für das Gesundheitssystem? Sind wir dann einfach nur älter oder auch gesünder? Diskutiert wird in diesem Zusammenhang naturgemäß auch das Pensionsantrittsalter: Wie viele Jahrhunderte Lebensabend verträgt die Volkswirtschaft? Und wie viele Jahrhunderte Arbeit verträgt ein einzelner Mensch? Ist es tröstlich zu sagen: Nur mehr 80.000-mal schlafen, dann darfst Du in Rente gehen?

Vielleicht ist es nur eine Frage der Perspektive. Und so wie eine Eintagsfliege nach dem Mittagessen schon ihr Testament verfasst, werden sich auch die Menschen das Leben für diese 300 Jahre entsprechend einteilen. Wir sind ja anpassungsfähig. Vor einigen Jahrhunderten gaben wir im Schnitt bereits mit 30 den Löffel ab. Daher mussten wir auch zusehen, unser irdisches Sollziel in diesen Zeitrahmen hinein zu verpacken, sprich heiraten mit 14, König werden mit 15 und Enkelkinder bekommen mit 20.

Wie nun ein wirklich langes Leben genau aussehen soll, darüber wollen uns die Zukunftsforscher allerdings nichts sagen: Wird die Kindergartenzeit auf 20 Jahre ausgedehnt, kann man den Führerschein bereits mit 18 oder erst mit 80 machen und geben die Rolling Stones nach zwanzig Jahrzehnten ihr wirklich allerletztes Abschiedskonzert? Kommen Männer erst um die 150 in die Midlife-Crisis? Und wechseln Frauen im Schnitt 180 ihre Hormone? Darf man Papst erst mit 290 werden?

Fraglich, ob die Geriater von heute auch weiterhin die 70 bis 100-jährigen Patienten, also eigentlich quasi die Teenager der Zukunft behandeln oder sie mit ihrer Klientel mitwachsen. Das Zuckerl danach und die bunten Pflaster für die ganz jungen Patienten gibt es daher mindestens bis zum 50. Lebensjahr. Und die Frage, ob die Menschen mit den „Dritten“ im Mund auskommen oder sich auch ein viertes und fünftes Gebiss zulegen müssen, beschäftigt die hoffnungsfrohen Zahnärzte.

Natürlich werden auch die Ärzte älter. Und wenn man letztendlich im 200. Ausbildungsjahr das Diplom zum Facharzt errungen hat, wird man auf die Patienten losgelassen. Bis sich nach spätestens zehn Jahren das Burn-out einstellt. Und diese Zeitspanne ist unabhängig vom Lebensalter.

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