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Kolumne Nebenwirkungen 6. Oktober 2010

Kundschaft aus dem All

Ein neu entdeckter Planet, der möglicherweise auch bewohnt ist, könnte zukünftig potenzielle Patienten bringen.

Dieser Tage machten Astronomen eine erfreuliche Entdeckung. Außerhalb unseres Sonnensystems wurde ein Planet gefunden, auf dem – theoretisch – Wasser in flüssigem Zustand existieren könnte. Damit wäre die Grundvoraussetzung für Leben, so wie wir es kennen, gegeben. Dieser Exoplanet, der auf den netten Namen CoRoT-9b hört, umkreist einen Stern im Sternbild Schlange, wofür er rund 95 Tage braucht. Wie viele Feier- und Fenstertage sich in einem Jahr mit nur 95 Tagen da ausgehen, ist zurzeit noch unbekannt. CoRoT-9b hat eine gute und für das Leben günstige Atmosphäre, was man von einigen Krankenhäusern auf der Erde nicht sagen kann.

Patienten aus dem Universum

Was für eine Entdeckung! Denn wo Leben ist, findet sich auch das eine oder andere menschenähnliche Wesen. Und auch die werden einmal krank und brauchen ärztliche Hilfe. Sollten uns also hier einmal die Patienten ausgehen, weil sie zu gesund oder zu bockig für einen Arztbesuch sind, so gibt es eine große Klientel in den Weiten des Universums. Auch wenn wieder einmal eine Ärzteschwämme droht, so wissen wir, wo wir die jungen, hoffnungsfrohen Mediziner hinschicken können.

Welch exotischen Erkrankungen werden uns da erwarten? Ein neues, eroberungswilliges Land für habilitierungssüchtige Forscher! Ein neuer Markt für die angeschlagene pharmazeutische Industrie! Denn wir haben es hier mit einer ganzen Spezies zu tun, bei der man davon ausgehen kann, dass sich deren Cholesterinspiegel nicht innerhalb der terrestrischen Normalwerte bewegt. Vielleicht verfügen die dortigen Bewohner über Organe, von denen wir nur im Entferntesten zu träumen wagen; zahlreiche neue Organe, und jedes für sich erfordert eine eigene Fachrichtung und Subspezialisierung. Was für eine Entdeckung!

Bis die Sozialversicherung sich auf einen Vertrag mit der CoRoT-9b-Gebiets-Krankenkasse einigt, können wir davon ausgehen, dass die Bewohner des Planeten privat zahlen. Raumschiffe lassen sich steuerlich absetzen. Und da dieser Planet rund 1.500 Lichtjahre von der Erde entfernt ist, sollte sich auch eine satte Anfahrtspauschale bei Hausbesuchen ausgehen.

Auch auf CoRoT-9b schläft die Konkurrenz nicht

Dass es auf CoRoT-9b auch Ärzte, Fachärzte, Chefärzte und Professoren gibt, ist anzunehmen, da diese Ordnung ein universell gültiges Naturgesetz darstellt. Auch diese Kollegen könnten allerdings auf die grandiose Idee kommen, sich ein lukratives Betätigungsfeld auf der Erde zu suchen. Nur, so hätten wir uns das aber nicht vorgestellt. Hoffen wir also, dass wir von den Forschern auf CoRoT-9b nicht entdeckt werden.

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