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Kolumne Nebenwirkungen 28. September 2010

Krankenhaus-Baukunst

Spitals-Architektur sollte besser sein als Spitals-Kost. Und das äußere Hui kann ein wenig über das innere Pfui hinwegtrösten.

Es gibt Bauwerke, die erkennt man schon von weitem: Volksschulen, Krankenhäuser und Kräne (und manche Zeitgenossen erkennen sogar Minarette, wo gar keine sind).

Diese Bauwerke sind eindeutig und ohne Aufschrift als solche zu identifizieren. Selbst der innovativste Architekt kann sich nicht über deren Zweckgebundenheit hinwegsetzen: Kräne müssen hoch sein und besitzen in der Regel kleine Fenster an der Kabinenwand in schwindelerregender Höhe. Aber auch Volksschulen sind für manche Kinder Schwindel erregend (wenn man lernt, Ausreden zu finden), sie besitzen hingegen riesige Fenster, damit die Taferlklassler sehen, was ihnen draußen alles entgeht. Tafel und Schüler sollten abwaschbar sein.

Krankenhäuser haben hingegen diesen eigenen zackig-sterilen Baustil. Die modernen Spitäler sind darauf aufgebaut, dass alles gleitet, klappt und rollt. Das Glatte hat sich in der Spitalsbaukunst gegen das Verspielte durchgesetzt. Ein barockes Portal ist zwar hübsch anzusehen, wenn die Krankenliegen jedoch an den Posaunen der Engel hängen bleiben, wird Funktionalität vor Schönheit gereiht. Doch in einer Zeit, in der sich Krankenhäuser als Institutionen definieren, die ausschließlich für das Wohl der Patienten da sind und nicht mehr als Selbstzweck in der Gegend herumstehen, sollte man diesen auch ein etwas freundlicheres Design verpassen.

Heute ist etwa Transparenz modern. Glas statt Beton. Der Mensch soll wissen, was hinter den Wänden passiert. So könnte die Wartezeit in der Ambulanz durch die Betrachtung einer hinter einer Glasscheibe durchgeführten Koloskopie etwas kurzweiliger gestaltet werden. Der Blick durch die Glasscheibe lässt Besu-cher auch erkennen, dass sich Ärzte im – nun transparenten – Ärztedienstzimmer nicht immer so verhalten, wie sie es von ihren Patienten immer fordern.

Zudem sollten die Abteilungen auch für ältere Patienten leicht zu identifizieren sein. So kann etwa eine statisch gewagte Nase den Eingang zur HNO-Abteilung bilden, die Nasenscheidewand trennt hier elegant Kassen- von Klassenpatienten. Wenn man eine Kardiologie im rechten Vorhof betreten und durch eine designte Aortenklappe verlassen kann, so hat dies auch eine gewisse erzieherische Wirkung für die Herzpatienten. Für die Urologie haben sich die Kollegen bereits vor einiger Zeit mit der „begehbaren Prostata“ diesbezügliche Gedanken gemacht. Da der Körper eine ganze Reihe von Öffnungen besitzt, liegt den Innenarchitekten hier eine Vielzahl möglicher Vorlagen aus der menschlichen Anatomie vor.

Bei aller Kritik an einer allzu sterilen und unpersönlichen Krankenhausatmosphäre: Mit ein bisschen gutem Willen und einigen Kübeln Farbe macht das Kranksein doppelt Spaß.

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