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Adipositas 22. September 2010

Was für ein Volk!

Der Österreicher wird immer größer, dafür aber auch dicker und doofer, wie es respektlos heißt. Und wer muss das ausbaden? Natürlich wieder die Ärzte.

Zum Thema Körpergröße gibt es kaum etwas zu sagen. Die Evolution fordert ihren Tribut, wenn sich die zunehmende Länge in einigen Jahren bemerkbar macht, die Erwachsenen von morgen nicht mehr durch die Türen passen, mit den Achillesfersen an die Bettenden stoßen und beim Autofahren durch ihre Knie schauen.

Viele Menschen sind aber anscheinend der Auffassung, dass eine zukünftig so große Bevölkerung auch doppelt so viel essen muss. Somit werden wir zudem immer dicker. Und da wir diesen Zusammenhang nicht verstehen und noch dazu im Pisa-Test schlecht abschneiden, bekommen wir auch das Attribut „dämlich“ um den Hals gehängt. Das sitzt. Ein „dickes“ und „doofes“ Volk wie eine heimische Tageszeitung unlängst hämisch titelte. Dass wir auch ein Volk der Jodler und Fingerhackler sind, scheint hingegen medizinisch irrelevant, da es hierfür kaum noch Therapiemöglichkeiten gibt.

Doch dick ist ungesund und dumm kann ebenso zu Komplikationen führen. So bleibt es eben wieder einmal an uns Ärzten hängen, hier korrigierend einzugreifen. Neben Programmen, die die Adipositas bekämpfen sollen, müssen wir zukünftig nun auch Strategien zur Steigerung der Intelligenz unserer Patienten in unser Portfolio aufnehmen. Denn die Lehrer scheinen ja über Jahrzehnte versagt zu haben.

Bei jedem Arztbesuch wird daher ab nun nicht mehr nur gemessen und gewogen; es werden auch die Hauptstädte Europas abgefragt. Wer sie nicht weiß, bekommt eine Infusion verpasst. Und da sich niemand gerne stechen oder eine Stunde in der Praxis am Tropf hängt lässt, werden sich unsere Schäfchen ein wenig anstrengen und für den nächsten Ordinationsbesuch lernen müssen.

Machen wir also unsere Patienten geistig fit. Medikamentös wird sich da sicher noch einiges finden las- sen: Durchblutungsfördernde Substanzen, Vitamine oder kleine Schläge auf den Hinterkopf sollen ja bisher durchaus positive Ergebnisse erzielt haben. Doch wie können wir die Therapieerfolge evaluieren? Ist ein Mensch, der das Wort Cholezystolithiasis fehlerfrei aufsagen kann per se intelligenter, als einer, der nicht einmal weiß, dass er so etwas wie eine Gallenblase besitzt? Einer, der dafür dem verdutzten Arzt zu Hause das Abflussrohr wieder in Schuss bringt? Ist Bildung nun Intelligenz oder sind diese Tests mit den verdrehten Würfeln und den Buchstabenrätseln ausschlaggebend für einen Menschen, mit dem man sich gerne angeregt unterhält? Man könnte aber auch einer derartigen Untersuchung, die pauschal eine tendenzielle Dummheit attestiert, mangelnde Intelligenz vorwerfen. Doch so einfach wollen wir es uns nicht machen.

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