zur Navigation zum Inhalt
 
Kolumne Nebenwirkungen 1. September 2010

Statine zum Hieressen oder zum Mitnehmen

Ein sommerzeitlich gut gemeinter Vorschlag: Britische Forscher empfehlen, zu den Burger-Menüs der Fast-Food-Restaurants auch gleich einen Cholesterinsenker mitzugeben.

Wenn gut aufgelegte britische Wissenschaftler einen Vorschlag zur Güte machen und diesen auch noch genüsslich in einem renommierten Fachmagazin breit treten, so bietet dies guten satirischen Dünger. So kann auch ich mich nicht verschließen, diesen lustigen Vorschlag, den Konsumenten in Fast-Food-Restaurants auch ein Statin mit auf den Weg zu geben, zu kommentieren. In gewissem Sinne sehe ich mich auch in meiner Eigenschaft als medizinischer Nostradamus bestätigt, da ich bereits vor einigen Jahren an dieser Stelle auf diese Art der Drive-in-Behandlung hingewiesen habe.

Obwohl die Forscher diesen Tipp doch mit einem gewissen Augenzwinkern in die Medienwelt gesetzt haben dürften, so bin ich für eine ernsthafte Debatte dieser medikamentösen Grundversorgung. Die Idee dahinter ist verblüffend einfach. Ähnlich der Jodzugabe im Salz werden Speisen funktionalisiert. Angedacht wurde vor einigen Jahren auch die Zugabe von Aspirin ins Trinkwasser zur Vermeidung koronarer Engpässe. Eine Freude für die gastroskopierenden Kollegen, die im Minutentakt die blutenden Magengeschwüre hätten veröden können.

Medikamente als Gimmick

Würden wir tatsächlich das ganze Geld, das in diesen belehrenden Vorsorgekampagnen steckt, dafür verwenden, ein Medikament als Gimmick zu problematischen Gewohnheiten wie einem Burger-Menü, einer Schwarzwälder Kirschtorte oder einem Bordell-Besuch beizulegen, so wäre dies das Ende des unsäglichen schlechten Gewissens der Patienten. Denn bei aller Awareness: Dass es gesündere Dinge gibt als einen Big Mac, ist wohl den meisten Menschen bewusst. Geben wir unseren Patienten also die Absolution, all das zu tun, was sie sich vom Leben erwarten, und statten wir sie gleichsam mit einem Gegengift aus.

Die Umgewöhnung würde sich in Grenzen halten. Denn heute schon werden etwa bei der Krankenhauskost die Tabletten in hübschen Dessertschüsselchen zum Essen gereicht. Man könnte eventuell an der Galenik noch arbeiten und etwa bereits Mehl und Zucker mit Wirkstoffen versehen.

Wenn man beim Cluburlaub in Tunesien am Buffet ein Tetracyclin-Soufflé vorfindet, in den Zigarettenpäckchen eine Rauchentwöhnungstablette beigelegt ist oder im TV-Programmheft beim Hinweis auf den Villacher-Fasching ein Antiemetikum klebt, so kann man nach Herzens- lust genießen. Gleichsam Gas geben und zu bremsen macht erst den Fahrspaß aus. Und wir Ärzte freuen uns, wenn wir das kaputte Getriebe reparieren dürfen.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben