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Kolumne Nebenwirkungen 6. Juli 2010

Exklusiver Ärzteurlaub

Die Vorstellungen, die die Patienten von unseren Urlaubszielen haben, übersteigen in vielen Fällen die Luxuriösität der tatsächlichen Destinationen. Doch die Klischees haften an uns, wie das Erdöl an der Badehose.

Auch Ärzte machen mal Urlaub. Dieser ist in der Regel am Ordinationsschild vermerkt, gut erkenntlich für potenzi-elle Patienten und Einbrecher. Viele Kollegen erachten es auch als Vorteil, die Urlaubsdestinationen ihrer Patienten in der Kartei zu vermerken, um nicht am Strand von Lignano unvorhergesehenen nackten Kontakt mit dem halben Wartezimmer zu haben.

Dass Patienten ihre Ärzte tatsächlich an einem durchschnittlichen Urlaubsstrand antreffen könnten, ist jedoch vielen nicht bekannt. Zu fest gefahren sind die klischeebehafte-ten Vorstellungen, wie die Ferien der weißen Götter auszusehen haben: Von Ärzten wird nun mal erwartet – ihrem Stand entsprechend – exklusiv zu verreisen. Die Ankündigung, einen Urlaub in Palma oder gar Caorle anzutreten, lässt in den Patienten Zweifel an unserer Vertrauenswürdigkeit aufkeimen.

Erwartet werden ein Törn mit eigener Yacht, Paragleiten im Grand Canyon oder eine selbstlose Expedition auf der Suche nach einem neuen pflanzlichen Heilkraut für Hammerzehen in Costa Rica. Schon bei der Anreise ist es selbstverständlich, am Flughafen mit dem „Arzt im Dienst“-Schild zwei Wochen in der Ladezone zu parken, rasch noch in einer exklusiven Airport-Boutique ein kleines Collier oder eine Rolex zu erstehen und im Flieger, nach der obligaten „Ist ein Arzt an Bord?“- Durchsage, ein Kind auf die Welt zu bringen.

In der Südsee lustwandeln wir dann an den langen weißen Sandstränden, mit langem weißem Mantel, blicken zufrieden in den Sonnenuntergang und helfen vor Ort in der Klinik unter Palmen rasch mal aus, indem wir ein Herz transplantieren. Der Golfschläger ist fixer Bestandteil des Gepäcks, wie auch die exklusive Kreditkarte aus Platin, bei deren Anblick die Hotelangestellten angehalten sind, auf den Knien zu robben. Ein Arzt ist durch und durch Arzt und so hilft er mit seinem Privat- boot nicht nur mit, das Öl aus dem Golf von Mexiko zu pumpen, sondern auch in seiner Funktion als „Arzt ohne Grenzen“, das Gefieder der österreichischen Badegäste vor Ort vom klebrigen Öl zu befreien.

Dass es angeblich auch Ärzte geben soll, die in Frühstückspensionen nächtigen oder aus ökonomischen Gründen statt Langusten Cevapcici bestellen, darf als böses Gerücht bezeichnet werden.

In diesem Sinne wünsche ich einen guten Urlaub und lassen Sie sich ja nicht am Campingplatz mit billigem Rotwein in der Hand von einem Patienten erwischen. Das ist nicht gut für unser Image.

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