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Kolumne Nebenwirkungen 30. Juni 2010

Frühzeitige Mobilisierung

 

Die frühe Mobilisierung der Patienten ist das Um und Auf einer gelungenen Rehabilitation. Im besten Fall wandert der Patient bereits vom OP-Tisch zu Fuß in den Aufwachraum.

Die Mobilisation stößt jedoch nicht bei allen Patienten auf große Begeisterung. Wenn die allzu gut aufgelegten physiotherapeutischen Animateure der Klinik mit Schwung die Frühstückstabletts der Kranken beiseite schieben, um nun mit ihnen im Hopser-Schritt durch die Gänge zu hüpfen, dann sind nicht alle mit dieser Maßnahme glücklich. Zumal es sich bei der „vorsichtigen Mobilisierung“ für die meisten Patienten, die sich zu Hause von Couch zum Kühlschrank und wieder zurück bewegen, bereits um Hochleistungssport handelt.

Einige Krankenanstalten haben bereits Tricks angewandt, um ihre Gäste zu bewegen. So wird etwa das Frühstück, Mittag- und Abendessen nicht zwangsläufig ans Bett gebracht, sondern muss im Speisesaal eingenommen werden. Somit spulen die Patienten dreimal zwei Wege zurück und sind damit automatisch ein wenig mobiler.

Dies sollte man sich zum Vorbild nehmen und die Latte noch ein wenig höher stecken: Warum Bettenschieber teuer einstellen, wo doch diese wundderbare Übung „Push and Walk“ einem anderen Patienten anvertraut werden kann? Dass die Befunde nicht mehr in die Krankenakte eingeheftet werden, sondern vom Betroffenen selbst aus dem Labor und der Radiologie zu bringen sind, hat Vorteile, so die Radiologie im Keller, das Labor im 14. Stockwerk untergebracht sind. Die Fahrstühle sind ausschließlich für die Belegschaft zugänglich. Step-Aerobic im Stiegenhaus ist somit gesichert.

Mobilisierung von Patienten einmal anders

Natürlich gibt es Patienten, die sich aufgrund einer ledierten Hüfte mit dem Stiegensteigen nicht mehr so leicht tun. Da empfiehlt sich die sanftere Unterwassergymnastik. In Zeiten zunehmender Naturkatastrophen finden sich hierfür eine Menge Krankenanstalten an idyllischen Flussufern, deren Keller mehrmals im Jahr unter Wasser stehen. Ein Glück für die zu mobilisierenden Patienten, die sich im Pumpen und Sandsacktragen üben.

Wenn sich alle in Genesung befindlichen Personen den alltäglich auf den Abteilungen anfallenden Arbeiten widmen würden, so wären sie binnen kürzester Zeit die fittes- ten Turnschuhe. Und Infusionsflaschen stemmen, Patienten umlagern oder einem Chefarzt wegen einer Unterschrift hinterherjagen, hat mehr sportlichen Charakter als alle zaghaften Mobilisierugsversuche zusammen.

Übrigens kann die Mobilisierung von Bediensteten weitaus schwieriger sein. Dies steht jedoch auf einem anderen Blatt.

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