zur Navigation zum Inhalt
 
Kolumne Nebenwirkungen 22. Juni 2010

Exkursionen für Ärzte

Auch Bedienstete in den Krankenanstalten haben ein Recht auf Abwechslung. Die schulischen Lehrausflüge vor den Sommerferien könnten hier als Vorbild dienen.

Wenn man dieser Tage durch die Straßen der Hauptstadt schländert, so fallen einem unzählige Gruppen kleiner Menschen auf: Schüler aller Altersstufen werden in Herden durch Sehenswürdigkeiten, Parkanlagen und hoch interessante Heimatmuseen für Brauchtumspflege getrieben.

Es ist wieder einmal jenes Zeitfenster gekommen, wo es in den Schulen zwischen Notenschlussverkauf und Ferienbeginn ein gewisses erzieherisches Vakuum zu füllen gilt. Die Pädagogen, in Ermangelung einer sinnvollen Beschäftigung für die Zöglinge im Klassenzimmer, sind nun Tag für Tag unterwegs, um auf „Exkursion“ zu gehen. So strömen die Kinder aus ihren Kaderschmieden und sehen sich, meist mit auffälligen roten Schirmkappen behauptet, die große weite Welt an.

Dies täte den in den Krankenanstalten beschäftigten Ärzten mindestens genauso gut: Das Gehirn gehört durchlüftet, entrümpelt von all dem medizinisch irrelevanten Sperrmüll, der sich in einem Jahr so ansammelt. Ich könnte mir dabei durchaus lehrreiche Ausgänge vorstellen, die den Horizont der doch etwas eindimensionalen Krankenhausatmosphäre erweitern helfen.

Ein Ausflug ins Haus der Natur oder technische Museum ist natürlich dafür weniger geeignet. Schließlich hat man im Spital ohnehin tagtäglich mit einer Reihe lustiger Vögel und mit wild blinkenden technischen Geräten zu tun. Dann schon eher der Besuch einer Imkerei zum besseren Verständnis der Beziehung zwischen Arbeitsbienen (Turnusärzten) und Königin (Primar).

Eine „Exkursion“ in eine einschlägige Konditorei, als kardiovaskulären Tatort, lässt rasch erkennen, warum die Verbote für Süßspeisen zum Scheitern verurteilt sind. Auch lohnens-wert eine Führung durch diese riesigen leeren Geldspeicher der Krankenkassen, in denen jeglicher Ruf nach Honorarerhöhung beeindruckend ungehört verhallt. Oder ein Ausflug ins „Museum für angewandte Gunst“, um das Schleimen ein wenig zu perfektionieren. Abschließend gehört ein Besuch beim Heurigen zum Programm, jenen Ort, an dem Medizinpolitik gemacht wird.

Also denken Sie sich nichts dabei, wenn ein Haufen Ärzte mit weißen Mänteln und roten Schirmkappen, Hand in Hand und in Zweierreihe in die Museen und Schlossparks ausschwärmt.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben