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Kolumne Nebenwirkungen 8. Juni 2010

Gefährliche Reisezeit

Noch hat es der Klimawandel nicht geschafft, uns den Sommer gänzlich zu vermiesen. So dürfen wir uns nun auf den einen oder anderen heißen Tag freuen. Doch im Urlaub lauern viele medizinische Gefahren.

Die heißen Tage kommen und schon wieder runzelt der verantwortungsvolle Mediziner sorgenvoll die Stirn. War er doch gerade damit beschäftigt, Erkältungen aufgrund der durchnässten Füße mit bekümmertem Blick zu diagnostizieren, so folgen nun die leidvoll durchwachten Nächte voll Kummer um seine Schäfchen. Denn der Sommer und die damit verbundenen „Vergnügungen“ sind aus medizinischer Sicht vor allem eins, nämlich gefährlich!

Man braucht die Gefahren gar nicht erst aufzuzählen. Sie sind derart vielfältig und heimtückisch, dass man als Arzt seinen Patienten dringend davon abraten sollte, sich in den Sommermonaten im Freien aufzuhalten oder gar auf Urlaub zu fahren.

Allein schon die Existenz der Sonne mit ihren teuflischen Strahlen, die die ungeschützt schweinchen-rosa Haut der Europäer versengt, wie der Hobbygriller das Hüftsteak, wäre Grund genug. Ganz zu schweigen von der Sonnenallergie, wo keiner so recht weiß, was das eigentlich ist; und man nicht einmal sagen kann, ob in sonnengereiften Tomaten auch Spuren von Sonne enthalten sind, die zu gefährlichen Reaktionen führen können. Wer nicht auf die Sonne allergisch ist, der ist es zumindest auf die Sonnencreme.

Unliebsame Urlaubsbekanntschaften kann man auch – je nach bevorzugter Aktivität – mit Seeigeln, Quallen, Salmonellen oder Gonokokken machen. Und so werden die zuständigen Gesundheitsbehörden nicht müde, zeitgerecht vor der Reisesaison zu warnen.

Für „ungetrübte Urlaubsfreuden“ benötigen die Reisenden zwar einen Extrakoffer mit Medikamenten, Sunblocker, Moskitonetzen, Allergiepässen und Blutspendeausweisen, Info-Broschüren und Ganzkörperkondomen, doch dafür ist man auf der sicheren Seite. Vorausgesetzt, man vermeidet den Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung.

Dem Kassenarzt ist es per Strafe untersagt, seinen Patienten ausschließlich einen „schönen Urlaub“ zu wünschen. Dies wäre verantwortungslos. Vielmehr ist er dazu verpflichtet, ihnen alle etwaigen Gefahren in aller Deutlichkeit vor Augen zu führen. Von der Mallorca-Akne über die Billigflieger-Depression bis zu den Hautausschlägen durch die griechische Pleite-Wanze.

Dazu gibt es für jede Urlaubsdestination eine eigene Survival-Broschüre. Ziel dieser Kampagne ist es, die Unbekümmertheit der Patienten im Keim zu ersticken. Denn allzu viel Spaß wäre ungesund.

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