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Foto: Privat
Von Dr. Ronny Teutscher Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.peter-teutscher.at
 
Kolumne Nebenwirkungen 9. Jänner 2009

NebenWirkungen – Geschlossene Praxen

Auch heute existieren auf der Welt Gegenden, die von der westlichen Medizin abgeschottet sind. Zu diesen entlegenen Orten ohne ärztliche Grundversorgung zählt etwa der Osten Deutschlands.

In kabarettistischer Mission bei einem Kongress in deutschen Landen stellte ich mit großer Genugtuung fest, dass die Mediziner dort noch viel deprimierter sind als bei uns zu Hause. Dabei dachte ich, wir wären Weltmeister in Sachen Dauerraunzen.

Doch mitnichten: Die Arbeitszeiten und die mäßige Honorierung lassen viele Hausärzte im ehemaligen Königreich zu Honecker ihre Praxen schließen. Aufgrund mangelnder Nachbesetzung müssen ganze Landstriche auf die ärztliche Nahversorgung ums Eck verzichten.

Ja, und was machen die Patienten? Entweder sie warten darauf, dass sich ein frustrierter österreichischer Allgemeinmediziner als Wirtschaftsflüchtling vor der heimischen Ärztekammer in ihren Landkreis verirrt. Oder sie schreiten zur Selbsthilfe. Denn früher kam man auch ohne Arzt aus.

Eine große Rolle in der medizinischen Grundversorgung der Bevölkerung wird wohl oder übel, ob der anatomischen Grundkenntnisse, der Metzger einnehmen. Er weiß, aus welchen Teilen der Körper zusammengesetzt ist, und kann somit eine Entzündung der Lunge von der Entzündung der Beiried unterscheiden. Chirurgische Eingriffe sind ihm quasi in die Wiege gelegt und er hat große Kenntnisse darin, welche Beilage zu welcher Operation passt. Der Dorflehrer würde sich für die Rolle des Internisten eignen, der gemeinsam mit dem Gendarmen streng über die Einhaltung der Grenzwerte achtet. Letztlich könnte der Pfarrer die Agenden des Pathologen übernehmen und hinterher alles besser wissen.

Wer hätte sich noch vor 15 Jahren gedacht, wie begehrt junge Mediziner in Europa sind? Wurden die Studenten damals noch mit Aufklärungskampagnen belehrt, wie aussichtslos es sei, Medizin zu studieren und dass es allemal besser für die berufliche Karriere wäre, ein Studium in Altbyzantinistik und Numismatik, in Fächerkombination mit dem Malen mit Faserstiften zu beginnen, so stehen die deutschen Krankenhäuser heute Schlange. Mit frischem Doktorat werden einem Assistenzarztstellen in schönen Kliniken geradezu aufgedrängt. Noch nie war es einfacher, eine Stelle als Chefarzt der Schönheitschirurgie zu ergattern.

Da jeder Trend aus dem Ausland mit gehöriger Verspätung auch zu uns kommt, darf man sich darauf freuen, wenn die einschlägigen Anzeigen in einigen Jahren lauten: „AKH, Abteilungsvorstand/Innen gesucht, ius practicandi von Vorteil, bitte rasch melden!“ Aber wer will das schon?

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Von Dr. Ronny Teutscher Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.peter-teutscher.at

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