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Krankenhaus: Evolution oder Intelligent Design?

Im Jahr der Biodiversität sollte man einmal einen Blick auf die Artenvielfalt im Krankenhaus werfen. Denn nur durch Anpassung an die kargen Lebenssituationen ist das Überleben der Spezies Arzt gesichert.

Dieses Jahr feiert die Welt die Biodiversität. Es geht um die Vielfalt der in der Natur vorkommenden Arten und um deren Erhaltung. Diese Vielfalt darf jedoch nicht vor den ehrwürdigen Toren der Krankenanstalten enden. Denn erst dort kommt der unendliche Einfallsreichtum von Mutter Natur zur Geltung.

Charles Darwin, der Popstar unter den Biologen, der Mick Jagger der Naturwissenschaften, von dem selbst mein lieber stellvertretender Chefredakteur ein Poster in seinem Schlafzimmer hängen hat, hätte sich die mühsame Reise zu Galapagos und Co. erspart, wenn er stattdessen einen Fuß in ein heimisches Krankenhaus gesetzt und dort seine Skizzen angefertigt hätte. Dort findet sich eine Artenvielfalt, die im Regenwald ihresgleichen sucht: Kleine und große, freundliche und herrische, sorglose und akribische Ärzte; reiche Orthopäden und arme Kinderärzte; Oberärzte für endoskopisch-retrograde Cholangiografien und Fachärzte für die Reinigung und Pflege von Objektträgern; weitblickende und kurzssichtige Klinikvorstände; und nicht zu vergessen das lustige Omega-Tierchen namens Famulant. Es gibt eine ganze Reihe von Arten, Subarten und Unarten, die jede nur erdenkliche ökologische Nische besetzen. Beeindruckend die Revierkämpfe und das Balzverhalten.

Die Anpassung an die Lebenssituation eines Krankenhauses ermöglicht es der Population, hier zu überleben. Die Bediensteten können stundenlang ohne Sonnenlicht auskommen, haben durch eine verstärkte Lendenwirbelsäule die Fähigkeit, mehrstündige Operationen und Visiten im Stehen zu überstehen und sind in der Lage, durch die massive Hornhaut am Daumenballen, das Diktiergerät tausende Male ein- und auszuschalten. Die ersten Ärzte entwickeln bereits Töffler-ähnliche Fußgewölbe.

Die religionstheoretische Frage, inwiefern statt der Evolution vom Medicus erectus bis hin zum Primarius sapiens nicht doch die Schöpfung plausibler scheint, ist dennoch Thema heftiger Kontroversen. Denn einerseits ist das „Überleben der Fittesten“ dem „Weiterkommen der Protegierten“ untergeordnet. Somit ist der klassischen Evolutionstheorie die Basis entzogen. Andererseits kann jedoch eine auf einen Schöpfer begründete Theorie kaum auf ein „Intelligent Design“ im Spitalswesen verweisen.

In jedem Fall ist Darwin hier fehl am Platz. Denn ob der Primar tatsächlich vom Turnusarzt abstammt, darf bezweifelt werden.

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