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Kolumne Nebenwirkungen 21. April 2010

Nix Gutes aus Island

Über die medizinische Auswirkung einer Vulkaneruption in Island auf die heimischen Patienten ist noch wenig bekannt. Hier ein paar Leitlinien.

Es passiert nicht oft, dass man im ruhigen Österreich des Post-Steinzeitalters an den Auswirkungen eines Vulkanausbruchs zu laborieren hat. Muren, Lawinen, Überschwemmungen kennen wir. Aber dass der Luftraum nicht nur mit einheimischer Asche der hiesigen Raucher, sondern auch mit ausländischer Asche aus dem Norden kontaminiert wird – das ist neu.

Immerhin wurde der gesamte Österreichische Luftraum für den Flugverkehr gesperrt. Wie sooft sind wir in Österreich Opfer. Und müs-sen ausbaden, dass sich andere Länder den Luxus eines Vulkans leisten. Auch die Auswirkungen von Atomkraftwerken mussten wir tragen, ohne selber welche zu haben. Und wir müssen auch fremde Katastrophen über uns ergehen lassen, wie Dieter Bohlen, obwohl wir selbst über kein RTL verfügen.

Nun fallen also die Isländer, die Vulkanier Europas, über uns her. Nicht genug, dass sie mit unserem sauer verdienten Geld fröhlich auf ihren Eisschollen in den Konkurs schlittern, schicken sie als Quittung gleich eine Aschewolke.

Die ersten Patienten mit direkten Auswirkungen des Vulkanausbruches kommen nun in die Ordinationen. Die Beschwerden reichen von posttraumatischen Belastungszuständen durch stundenlange Wartezeiten auf dem Flughafen, bis hin zu schweren Depressionen durch die grobe Enttäuschung, beim Blick auf den blauen Himmel nicht einmal den Anschein einer Aschwolke zu sehen.

Da es für derartig seltene Ereignisse keinen medizinischen Master-Plan gibt, möchte ich der Erste sein, der hier klare diagnostische und therapeutische Leitlinien erstellt. Zudem können wir endlich unsere sorgsam von den Vogel-, Schweine- und Dackelgrippe gehorteten Atemschutzmasken verwenden, solange Asche auf das österreichische Haupt gestreut wird.

Der Aufenthalt im Freien sollte die nächsten Jahrzehnte unbedingt gemieden werden (auch dürfen in dieser Zeit keine weißen Ärztemäntel im Freien zum trocknen aufgehängt werden). Die prophylaktische Beigabe von Kortison in die Babynahrung und eine Kur mit rekombinanten Anti-Island-Immunglobulinen sind guidelinekonform.

An einer Schutzimpfung gegen Vulkane wird bekanntlich gearbeitet, wobei man eine Galenik austüftelt, welche die Lava durch die Injektionsnadeln bringt.

Die Natur soll ja nicht glauben, dass wir ihr schutzlos ausgeliefert sind. Dafür sorgt Ihr Arzt, Apotheker und Kabarettist.

Von Dr. Ronny Tekal-Teutscher , Ärzte Woche 16 /2010

  • Herr Kurt Ebeleseder, 23.04.2010 um 15:08:

    „sehr gut beobachtet! Den Song-Contest in Oslo (auch so eine ausländische Katastrophe) werde ich mir trotzdem anschauen, ich frag mich nur, wie die Protagonisten anresien werden??“

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