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Kolumne Nebenwirkungen 23. März 2010

Rettet das Gesundheitswesen

Ein Wildtier im Staatshaushalt: Viele Länder haben es zu Hause; es kann manchmal brav und unauffällig vor sich hin leben; in den meisten Fällen bereitet es dem Besitzer jedoch Kummer und Ärger. Und dennoch zählt es zum gehobenen Status eines souveränen Staates, ein Gesundheitswesen im Haus zu haben.

Hintergrund: Seit Anbeginn der Geschichte, als die Menschheit faul genug wurde, sesshaft zu werden, versuchten unsere Ahnen die an sich frei und wild lebenden Gesundheitswesen einzufangen, zu domestizieren und zu reformieren. Das Einfangen gelang, die Haltung erwies sich als nahezu unmöglich. Denn das Gesundheitswesen hat die Eigenschaft, sich nicht reformieren zu lassen.

Geschichte: Bereits in der römischen Antike galt der Spruch „wer reformiert, krepiert“, das aus dem italienischen stammende „crepare“ hat seinen Ursprung darin. Auch die französischen „Crêpes“ lassen sich mit „in die Pfanne hauen“ übersetzen. Viele Versuche, das Gesundheitswesen mit neuen Ideen zu füttern, bezeichnet man auch heute noch als „Rohrkrepierer“. Selbst ein amerikanischer Präsident, dem man nachsagt, einer der mächtigsten Häuptlinge dieses Planeten zu sein, scheitert an der Aufgabe, das Gesundheitswesen in den USA zu zähmen. Nicht zuletzt, weil es dort von reichen Privatbesitzern an der kurzen Leine gehalten wird.

Aufzucht und Hege: Am liebsten isst das Gesundheitswesen Abgaben, Steuern, Subventionen oder verspeist mitunter seine Kinder. Wird es auf Diät gesetzt, so kränkelt es; durch unsachgemäße Fütterung mit überhöhten Selbstbehalten können die Ausscheidungen zum Himmel stinken.

Forderungen: Da die Haltung dieses an sich wild lebenden Wesens im Staatshaushalt als nicht artgerecht gilt, sind Petitionen im Umlauf, die eine Wiederaussiedelung des Gesundheitswesens in die freie Marktwirtschaft fordern. So kann sich jeder bei Bedarf sein eigenes Gesundheitswesen einfangen. Möge der Gesündere dabei gewinnen.

Von Dr. Ronny Tekal-Teutscher Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.peter-teutscher.at, Ärzte Woche 12 /2010

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