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Kolumne Nebenwirkungen 9. März 2010

Fast eine Fastenzeit

Die vierzig Tage vor Ostern sollten genutzt werden, um sich in Entbehrung zu üben. Dies gilt freilich nicht nur für Patienten, sondern auch für Krankenhausbedienstete.

Als ich neulich in einer Konditorei einige amtsbekannte Diabetespatienten beim fröhlich-orgiastischen Verzehr garantiert weder fett- noch zuckerfreier Drogen entdeckte, erinnerte ich mich, dass Fastenzeit ist.

Wenn es die heimischen Christen damit auch nicht allzu genau nehmen und sich ungern die vierzig Tage vor Ostern in die Nahrungs-Wüste schicken lassen, so ist dies aus medizinischer Sicht eine durchaus begrüßenswerte Zeit. Ein wenig mehr Verzicht und Disziplin haben noch niemandem geschadet.

Umso mehr sollte man sich auch in den Krankenhäusern – im Sinne der Vorbildwirkung für unsere Schäfchen – in Askese üben. Dies muss gar nichts mit Essen und Trinken zu tun haben. Bewusste Entbehrung kann man in vielen Lebensbereichen leben.

Gehen wir doch etwas sparsamer mit den Dingen um, die uns im Spital anvertraut werden. So lassen sich Einmalkatheter durchaus auch öfter verwenden, entfernte Wurmfortsätze sollten für plastisch-chirurgische Eingriffe aufbewahrt werden und ausgeschiedene Medikamente enthalten zu einem guten Teil noch wirksame Bestandteile für weitere Patienten.

Auch die jungen Kollegen lassen sich effizienter einsetzen. Herumzustehen und interessiert während der Chefvisite dem Obersten Mediziner zu huldigen, ist zeitlicher Luxus. Da die meisten zwei gesunde Hände besitzen, spricht nichts dagegen, dass sie in dieser Zeit auch sinnvollere Tätigkeiten durchführen, wie einen kleinen Frühjahrsputz der Gänge, ein kurzes Ausspülen und eine Neubefüllung von Infusionsflaschen oder das Verstecken von nicht röntgendichten Ostereiern in verschiedene Körperöffnungen als Überraschung für die radiologische Abteilung.

Patienten tragen, Strom sparen

Wir müssen gerade in dieser Zeit auch nicht alle Wege im Krankenhaus mit dem Aufzug zurücklegen. Zwei engagierte Zivildiener lassen sich hier wunderbar zum Transport der Betten über das Stiegenhaus abstellen. Das spart Strom und sorgt für eine Frühmobilisation der gelieferten frischoperierten Patienten.

In der Fastenzeit sollte auch die Spitalskantine auf Flüssignahrung umstellen, sodass die Bediensteten mit selbst mitgebrachter Schnabeltasse schmutziges Geschirr einsparen helfen. Der Nachtdiensthabende ist generell dazu angehalten, in der Fastenzeit weder Sex zu praktizieren, noch Drugs an die Patienten auszugeben; dies steigert die Vorfreude von Ärzten und Patienten auf den Ostersonntag.

Nach absolvierter Fastenzeit kommt es erfahrungsgemäß zu einem Rebound-Phänomen, das sich oft in manischer Medikamentenverabreichung, überschwänglicher Müllanhäufung und exzentrischer Selbstdarstellung der Weißkittel äußert. Dieses vergeht jedoch rasch wieder – bei der nächsten Fastenzeit.

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